Hörbücher und Hörspiele als Lesehelfer für Kinder

Hörbücher und Hörspiele sind bei Kindern und Erwachsenen wieder sehr beliebt. Auch beim Lesen lernen können sie eine große Unterstützung sein.

Der lernbegleitenden Einsatz von Hörbüchern ist eine Methode, mit der sich die Lesekompetenz schwacher Schüler/innen deutlich steigern lässt.

Hörbücher und Hörspiele

Einen Text zu hören kostet weniger Überwindung, als ihn zu lesen. Das gilt besonders dann, wenn Kinder in der Schule dazu angehalten werden, Texte zu lesen, weil ein bestimmtes Werk im Rahmen des Lehrplans erarbeitet werden muss.

Und gerade hier können Medien mit Audioaufzeichnungen, allen voran Hörbücher, einen wertvollen Beitrag leisten. Sprachdidaktiker haben erkannt, dass gehörte Sprache direkt auf den zu lesenden Text übertragen wird, wenn er durch die Stimme eines Vorlesenden begleitet wird.

Hörbücher haben bereits in der Vergangenheit Menschen, die nicht lesen konnten, bei der Vermittlung von Texten unterstützt. Dazu gehörten Kinder und Blinde.

So geht die deutsche Bezeichnung "Hörbuch" eigentlich auf die erste, 1954 bei der Deutschen Blindenstudienanstalt gegründete Blindenhörbücherei (DBH) in Marburg zurück. Diese Organisation verschickte Hörbücher mit gesprochener Literatur an blinde Empfänger/innen in aller Welt. Die Tonträger bestanden damals noch aus ziemlich unhandlichen Tonbandspulen.

Hörbücher - Edisons PhonographHörbücher gab es schon früher als Musikaufnahmen. Der erste Tonträger überhaupt war ein Hörbuch. Nachdem Thomas Edison die sogenannte "Edison-Walze" erfunden hatte, machte er selbst im Jahre 1877 eine erste Aufnahme mit Hilfe seiner Sprechmaschine. Sie bestand aus dem Kinderreim "Mary had a little Lamp". Danach begann er zu lachen. Somit war die erste Tonaufnahme zugleich auch das erste Hörbuch. In der Folge wurden für Tonaufnahmen hauptsächlich Musikstücke verwendet.

Erst nach der Inbetriebnahme der ersten Rundfunkstationen in den 20er Jahren verzeichneten die Programme neben der Musik auch Hörspiele und Hörbücher.

Hörbücher im Rundfunk (1948)1931 entwickelte die Kongress-Bibliothek der USA ein akustisches Lesesystems für Blinde unter der Bezeichnung "Talking Books Program". Dabei wurden wobei unter dem Titel "Books for the Blind" blinden und sehbeeinträchtigten Personen Sprachaufnahmen kostenlos zur Verfügung gestellt.

Hörbücher haben auch Rundfunk- und Mediengeschichte geschrieben. So führte die Ausstrahlung des Hörspiel "Der Krieg der Welten (The War of the Worlds) von  H. G. Wells 1938 zu Panikreaktionen in der Bevölkerung von New York und New Jersey. Wells Hörbuch wirkte so realistisch, dass die viele Menschen dachten, es handle sich um eine authentische Reportage über einen tatsächlichen Angriff Außerirdischer.

1952 veröffentlichten "Caedmon Records" in den USA die ersten kommerziellen Hörbücher. Abgesehen von der Ausstrahlung via Hörfunk, wurden Hörbücher und Hörspiele im Laufe der Geschichte auf unterschiedlichen Tonträgern hergestellt. Dazu gehörten die altbekannten Schallplatten aus Vinyl, Tonbandkassetten und CD-ROMs.

Heute stehen für die Übertragung, Speicherung und Wiedergabe von Hörbüchern und Hörbuch-Titeln eine Vielzahl an Geräten und Medien zur Verfügung. Medienplayer und Smartphones sind aus dem Straßenbild der Städte kaum noch wegzudenken. Hörbuch-Dateien können über das Internet heruntergeladen oder "gestreamt" werden, ohne die Dateien dauerhaft abspeichern zu müssen.

Hörbücher - KinderMit der Verbreitung all dieser technischen Möglichkeiten seit den 90er Jahren hat auch das Hörbuch eine Renaissance erlebt. Mobiltelefone, Tablets und multimediale Systeme ermöglichen den Konsum von Hörbüchern an jedem beliebigen Ort und man sie überallhin mitnehmen. Gerade Kinder und Jugendliche machen sehr stark von all diesen Möglichkeiten Gebrauch. Gerade deshalb wäre es angebracht, die von ihnen gerne verwendeten Medien auch zur Unterstützung beim Lesen lernen einzusetzen.

Speziell im Vorschulalter und in den Phasen, in denen Kinder die Schrift mühsam erlernen müssen, bieten Hörbücher und altersgerechte Illustrationen einen ersten Einstieg in die Welt der Bücher und hier im Besonderen in das Reich der Belletristik.

Hörbücher für KinderWenn die Kinder bereits etwas holprig lesen können, unterstützt beim Hörbuch der Sprecher den Lesefluss. Das ist besonders bei langen Sätzen oder schwierigen Wörtern sehr hilfreich und zeigt, wie man sie richtig liest. Sprachmelodie, Intonation, Stimmhöhe und Geschwindigkeit können von den Kindern unmittelbar auf den eigenen Leseprozess übertragen werden. Der Sprecher wird zu einem Vorbild für das eigene Lesen.

Die Kinder werden durch den begleitenden Einsatz von Hörbüchern entlastet, wenn es um das Verstehen von Inhalten geht. Sie sind dann nicht mehr hauptsächlich damit beschäftigt, die Buchstaben und Wörter mühsam zu sinnbildenden Einheiten zusammenfassen zu müssen.

Weitere wünschenswerte Effekte des Einsatzes von Hörbüchern sind die relativ rasche Erweiterung des Wortschatzes sowie das leichtere Verständnis von komplizierten grammatikalischen Strukturen.

Die Vorzüge des lernbegleitenden Einsatzes von Hörbüchern werden auch von Steffen Gailberger in seinen Ausführungen zum  "Lüneburger Modell" genauer beschrieben. Der Autor hat die Methode, mit der sich die Lesekompetenz schwacher Schüler/innen deutlich steigern lässt, entwickelt und in Modellversuchen erfolgreich erprobt.
(vgl. Steffen Gailberger, 2011: Lesen durch Hören: Leseförderung in der Sek. I mit Hörbüchern und neuen Lesestrategien. Mit Kopiervorlagen und Hörbuch "Paranoid Park" auf CD-ROM. Verlag: Beltz. ISBN: 978-3407255624)

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