„Adults only“ - Sind kinderfreie Hotels das richtige Signal?

Was ist schon außergewöhnlich daran, wenn man Hotels ganz seinen momentanen Bedürfnissen entsprechend aus einem Katalog auswählen kann? Golf-, Single-, Wander- oder Reithotels sind hier nur einige Beispiele.

Trotzdem fühlen sich Viele unangenehm berührt, wenn in Broschüren oder im Internet bestimmte Angebote mit dem „Adults only“-Siegel beworben werden? 

Marktlücke: „Kinderfreie Hotels“

Kinderfreie Hotels: Kinder können nervenEs gibt Geräusche, die Menschen an den Rand des Wahnsinns treiben, zum Beispiel Kreissägen, Zahnarztbohrer und das Gekreische von kleinen Kindern. Wer schon einmal in einem Flugzeug, Bus oder Zug saß und in der Nähe ein Kind stundenlang quengelte weiß, wovon ich hier schreibe.

Na ja, so scheint es nur verständlich, dass viele Hoteliers auf die Marktlücke „Kinderfreie Hotels“ aufgesprungen sind. Und diese werden auch eifrig gebucht: Schon lange gibt es Angebote für Ruhesuchende, denen eine kinderfreie Umgebung bei Auswahl ihrer Urlaubsdestination ein vordringliches Anliegen ist.

Muss man aber deshalb ein Kinderfeind sein? Warum zuckt Mann oder Frau zusammen, wenn da steht “Adults only“?

Gilt das Gleichbehandlungsgesetz nicht auch für Kinder in Hotels?

Kinderfreie Hotels: Gleichbehandlung für Kinder?Tatsache ist, dass in Golfhotels ja auch Nichtgolfer unterkommen, während in „Adults only“-Hotels Menschen wegen eines bestimmten, naturgegebenen Merkmals rigoros ausgeschlossen werden. Niemand käme heutzutage auf die Idee, Personen  aufgrund ihres fortgeschrittenen Alters oder sogar wegen ihrer Hautfarbe an der Rezeption zurückzuweisen.

Das „Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz“ (AGG) verbietet Benachteiligungen aus Gründen der Rasse, der ethnischen Herkunft, des Geschlechts, der Religion bzw. Weltanschauung, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Identität.

Allerdings: Beim Alter ist Ausgrenzung sehr wohl alltägliche Praxis. In erster Linie sind davon Kinder und Senioren betroffen. Das Grundgesetz Deutschlands kennt auch kein ausdrückliches Diskriminierungsverbot wegen des Alters. Und in vielen Fällen sind derartige Ausschlüsse auch einsichtig und werden kaum in Frage gestellt. Kinder sind z.B. nicht mündig, alte Menschen sind von bestimmten Aktivitäten und ganzen Berufsfeldern ausgeschlossen.

Andererseits wird im allgemeinen Gleichheitssatz des Artikels 3, Absatz 1, generell die Gleichheit aller Menschen vor dem Gesetz als Grundrecht festgeschrieben. Besteht hier eine Gesetzeslücke, die im Widerspruch zum Gedanken steht, wie er durch das „Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz“ zum Ausdruck kommt?

Kinder ausgeschlossen - Senioren willkommen

Kinderfreie Hotels: Gleichbehandlung für Kinder?Vielleicht wird dieser Widerspruch in Zukunft noch die Köpfe von Verfassungsjuristen zum Qualmen bringen. Fest steht, dass der Ausschluss von Personengruppen aufgrund von biogenen Merkmalen (und dazu gehört das Alter) ein höchst sensibles Thema ist. Die Exklusion von Minderjährigen aus Beherbergungsbetrieben lässt sich gewiss auch nicht mit Argumenten, wie z.B. dem Jugendschutz rechtfertigen.

Personen, die sich über „Adults only“ echauffieren, argumentieren oft damit, dass es ja auch keine „Seniorenfrei-Hotels“ gebe. Andererseits: Warum sollte es sie geben? Senioren tragen normaler Weise nicht auffällig zur Steigerung des Geräuschpegels bei und sie stören auch nicht andere Hotelgäste durch einen exzessiven Spiel- und Bewegungsdrang.

Das Recht auch mal spontan und laut zu sein?

Kinderfreie Hotels: Problem Kinder und ihr Bewegungsdrang?Aufgeschlossene Eltern stehen dazu, dass die Sprösslinge in ihrer Freizeit auch spontan und laut sein dürfen. Immerhin sollte man nicht vergessen, dass Kindern in ihrem Schulalltag und dann auch noch zu Hause bei der Festigung des erworbenen Wissens immens viel abverlangt wird. Kinder haben keine 40 Stunden-Woche und auch keine Gewerkschaften, die auf die Einhaltung von Ruhezeiten achten würden.

Kinder sehnen sich nach Bewegung. Diese ist Ausdruck ihrer Lebensfreude und Vitalität. Rennen und springen, steigen und klettern, schaukeln und balancieren, all das ist unverzichtbare Voraussetzung für die Entwicklung von haptischen und kognitiven Fertigkeiten, welche die Kinder auf ihrem Lebensweg noch unbedingt brauchen werden.

Kinderfreie Hotels: Problem Kinder und ihr Bewegungsdrang?Man muss ihnen das zugestehen, aber manchmal ist es uns als Erwachsene einfach zu viel. Und ja, wir haben auch das Recht, gelegentlich abzuschalten vom familiären Stress. Und was ist mit Menschen, in deren Lebensplanung Kinder erst gar keine Rolle spielen? Hab sie in einer toleranten Gesellschaft, in der unterschiedlichen Lebensentwürfe akzeptiert werden, nicht auch das Recht, ihre Umgebung so zu gestalten, wie sie es sich wünschen?

In unseren modernen Industrie- und Dienstleistungsgesellschaften dominiert die Ein- bis Zweikindfamilie und die Erziehungspersonen engagieren sich viel mehr zum Wohlergehen ihres Nachwuchses, als dies in historischen Zeiten meist der Fall war. Insofern möchte man den Kindern einen Ausgleich zum stressgeplagten Lernalltag gönnen und bucht sehr häufig gezielt „familienfreundliche“ Unterkünfte. Auch diese Kategorie ist ja relativ neu und sie entspricht durchaus den modernen Mainstream-Auffassungen im Umgang mit Kindern.

Daher durften Kinder noch nie so spontan und laut sein wie heute. Und man muss wohl auch eingestehen, dass kinderfreundliche Hotels damit indirekt auch das Bedürfnis nach kinderfreien Hotels erst ausgelöst und dann zunehmend verstärkt haben.

Fazit

Wir alle lieben Kinder oder tun zumindest aus „political correctness“ so als ob. Aber im Urlaub scheint alles anders zu sein, wir suchen Ruhe, wollen keine lauten Quälgeister, Essensreste am Pool, Bälle im Gesicht  oder  Wasserspritzer von sprungerprobten Nachwuchs. Wenn es schon Sporthotels, Gesundheitshotels und solche für Familien mit Nachwuchs gibt, warum sollte es auch nicht „kinderfreie Unterkünfte“ geben? Jedem der optimale und entspannendste Urlaub? Jedem das seine, oder?

Kinderfreie Hotels: Problem Kinder und ihr Bewegungsdrang?Oder doch nicht? Ist der Ausschluss von Menschen aufgrund ihres Alters - und das ausgerechnet von Kindern, den vielbeschworenen Zukunfsträgern all unserer Hoffnungen und Erwartungen - das richtige Signal? Und das in einer Gesellschaft, die zurecht mit Mitteln der Bewusstseinsbildung und mit aufwendigen Gesetzeswerken jede Art der Diskriminierung aufgrund von kulturellen und biologisch bedingten Merkmalen unterbinden möchte.

Humanbiologisch und entwicklungspsychologisch betrachtet ist „Kind sein“ ein unabänderbares Merkmal einer Person. Dasselbe gilt für die übrigen Altersstufen des Menschen, die aus den Bereichen Hotellerie und Gastronomie in der gängigen Praxis NICHT systematisch ausgeschlossen werden.

Dieser Beitrag möchte auch keine Lösung anbieten. Aber vielleicht liefert er Stoff für Diskussionen und regt zum Nachdenken an.

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