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Lügen im Netz - Wie Fake News, Populisten und unkontrollierte Technik uns manipulieren

Ingrid Brodnig: "Lügen im Netz - Wie Fake News, Populisten und unkontrollierte Technik uns manipulieren"Autorin: Ingrid Brodnig
Format: Hardcover
Seitenanzahl: 208 Seiten
Verlag: Brandstätter Verlag
Auflage: 1 (Juni 2017)
Sprache: Deutsch
ISBN: 978-3710601606
Altersempfehlung: Ab 14 Jahre, Erwachsene

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Klappentext:

Der Betrug ist allgegenwärtig. Mit Falschmeldungen und manipulierten Bildern wird im Internet Stimmung gemacht - und Wähler beeinflusst.

Politische Manipulation wird zur realen Gefahr. Gerade Populisten und extreme Bewegungen profitieren von diesen Schattenseiten des Internet. Das Netz, das eigentlich ein Medium der Aufklärung und menschlichen Verständigung sein sollte.

Online-Expertin Ingrid Brodnig erklärt, weshalb "alternative Fakten" so stark wirken, welche neuen Methoden der Irreführung entstehen und wie intransparente Technikkonzerne das Problem noch weiter vergrößern.

Ohne ethischem Kompass steckt ein enormes Missbrauchspotenzial im Netz. Aber das muss nicht so bleiben: Wir können die Mechanismen der Manipulation durchschauen und auch von den großen Technikunternehmen Unterstützung einfordern. Vom einzelnen Bürger, über die Zivilgesellschaft bis hin zu den Parteien können wir unsere Demokratie verteidigen.

Über die Buchautorin und Journalistin Ingrid Brodnig:

Ingrid Brodnig (Autorin)Ingrid Brodnig, geboren 1984 in Graz, ist eine österreichische Journalistin und Publizistin. 2015 bis 2017 war sie Redakteurin des österreichischen Nachrichtenmagazins Profil.

Brodnig studierte „Journalismus und Unternehmenskommunikation“ an der FH Joanneum in Graz. Danach arbeitete sie für das Stadtmagazin Falter, anschließend als Redakteurin des Nachrichtenmagazins Profil. Ihre Themenschwerpunkte waren digitale Medien.

Im Februar 2017 verließ sie die Redaktion von Profil, um sich als Publizistin und Expertin für digitale Medien selbständig zu machen. Als Kolumnistin wird sie weiter für Profil tätig sein.

In ihrem ersten Buch "Der unsichtbare Mensch - Wie die Anonymität im Internet unsere Gesellschaft verändert", thematisiert sie die Anonymität im Internet.

In ihrem zweiten Buch, "Hass im Netz - Was wir gegen Hetze, Mobbing und Lügen tun können", geht die Journalistin auf die Kommunikationsprobleme, wie zum Beispiel Hassrede im Internet ein, analysiert sie und gibt Tipps, wie man im Internet darauf reagieren sollte.

Brodnig gehört zu den Unterstützern der "Charta der Digitalen Grundrechte der Europäischen Union", die Ende November 2016 veröffentlicht wurde.

Im April 2017 wurde sie von der österreichischen Bundesregierung zur digitalen Botschafterin (Digital Champion) Österreichs in der EU ernannt.

Ingrid Brodnig hält Vorträge und Workshops zur Anonymität im Netz, Hasspostings und wie man online für eine respektvolle Debatte sorgen kann.

Weitere Infos unter www.brodnig.org

Auszüge aus einem Beitrag von Ingrid Brodnig zum Thema
"Wie sich Lügen im Netzt verbreiten":

Populisten missbrauchen das Internet als Plattform für Propaganda. Das bedroht die Demokratie - doch Nutzer können sich dagegen wehren.

"Gerade unseriöse, emotionalisierende Berichte sind oft beeindruckend erfolgreich. Sie erreichen auf sozialen Medien mitunter ein größeres Publikum als manch eine ausgewogene, nüchterne Recherche. Im Netz ist ein Markt an Irreführung und Desinformation entstanden, der bis zu "Fake News" reicht, also vollständig erfundenen Meldungen. Viele Bürger bemerken gar nicht, dass sie solche Falschmeldungen konsumieren und dabei unseriösen Portalen Vertrauen schenken" ...

"Gerade in sozialen Medien beobachten wir eine Polarisierung. Falschmeldungen werden genützt, um bestehende Vorurteile zu schüren und bestehende Bruchlinien in der Gesellschaft zu vertiefen. In solch polarisierten Debatten geht es nicht mehr darum, ob eine Behauptung belegbar ist, sondern ob sie dem anderen politischen Lager schadet. Wie Fehlinformation und Halbwahrheiten das demokratische Klima verätzen, können wir bereits beobachten" ...

"Unseriöse, emotionalisierende Berichte sind oft beeindruckend erfolgreich. Sie erreichen auf sozialen Medien mitunter ein größeres Publikum als manch eine ausgewogene, nüchterne Recherche. Im Netz ist ein Markt an Irreführung und Desinformation entstanden, der bis zu "Fake News" reicht, also vollständig erfundenen Meldungen. Viele Bürger bemerken gar nicht, dass sie solche Falschmeldungen konsumieren und dabei unseriösen Portalen Vertrauen schenken" ...

"Im Englischen gibt es den Satz: "Angry people click more." Wütende Menschen klicken mehr. Tatsächlich wird das zunehmend zu einem Problem für unsere digitale Debatte, weil das Hervorrufen von Wut oft effektiv ist und Politiker oder Medien, die bei ihren Fans oder Lesern solche Aufregung schüren, beeindruckende Zugriffszahlen erreichen" ...

"Wütend machende Inserate hatten mehr als doppelt so viele Zugriffe wie die neutrale Botschaft. Gerade Rechtspopulisten beherrschen dieses Spiel mit der Wut gekonnt" ...

Quelle: "Wie sich Lügen im Netz verbreiten" - Süddeutsche Zeitung, 19. Juni 2017.

Den gesamten Beitrag kannst du hier lesen >>>

Leseproben aus dem Buch "Lügen im Netz - Wie Fake News, Populisten und unkontrollierte Technik uns manipulieren":

Eine Neue Ära der Manipilation (Kapitel 1):

Es ist Sonntagabend, der 12. März 2017: Im Eiltempo verbreitet sich eine Meldung im Internet, ihre Schlagzeile lautet: „Merkel hofft auf 12 Millionen Einwanderer“. Tausende Menschen macht dieser Bericht wütend, sie klicken auf „gefällt mir“, teilen die Nachricht. Sie schreiben Kommentare wie: „Dahin soll die Reise gehen, Umvolkung, das ist das Ziel der Elite (...)“ Oder sie posten über die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel: „Diese Tante muss man zum Teufel jagen, und der Asylanten Bus soll die erwischen.“

In der erhitzten und rasch geführten Debatte fällt vielen Bürgern eines aber nicht auf: Diese Meldung ist irreführend. Sie lässt sich als Paradebeispiel einstufen, wie online mit Halbwahrheiten oder falschen Behauptungen Stimmung gemacht wird, wie Nutzer durch unseriöse Meldungen in Wut versetzt werden.

Angela Merkel hat gar nie gesagt, dass sie auf 12 Millionen Einwanderer „hofft“ - die Hoffnung wurde ihr in den Mund gelegt. Die Wirkung bleibt nicht aus: 25 .OOO-mal haben Benutzer bei dem emotionalisierenden Beitrag auf „Like“ geklickt, ihn kommentiert oder geteilt.

Solche Zahlen sind selbst für große Nachrichtenhäuser eine erfreuliche Bilanz, allerdings kommt der Artikel nicht aus einem etablierten Medium, er stammt von einer eher unbekannten rechten Seite, die den Klickerfolg feiert.

Wir können online beobachten: Gerade unseriöse, emotionalisierende Berichte sind oft beeindruckend erfolgreich. Sie erreichen auf sozialen Medien mitunter ein größeres Publikum als manch eine ausgewogene, nüchterne Recherche.

Im Netz ist ein Markt an Irreführung und Desinformation entstanden, der bis zu „Fake News“ reicht, also vollständig erfundenen Meldungen. Viele Bürger bemerken gar nicht, dass sie solche Falschmeldungen konsumieren und dabei unseriösen Portalen Vertrauen schenken ...

Populisten kreieren Parallelrealitäten (Kapitel 7):

Am l. März 2017 gastierte der Chef der österreichischen Rechtspopulisten, Heinz Christian Strache, beim politischen Aschermittwoch der AfD Bayern. Die Menge tobte, das Weißbier floss, der Festsaal war in blau-weiße Fahnen gehüllt.

Und Ehrengast Strache erklärte den begeisterten deutschen Zuhörern, wie das mit den Medien tatsächlich so funktioniert:

„Ich bin kein Freund des Pauschalbegriffs 'die Lügenpresse'. Nein, es gibt überall anständige Journalisten, und genauso unanständige. Ich würde nie hergehen und pauschal ein Urteil treffen.

Aber wir haben es mit einer Systematik zu tun, wo oftmals Journalisten gar nicht mehr frei und unabhängig berichten dürfen, wo alles durchgeschaltet ist, gleichgeschaltet ist. Eine Gleichschaltung der veröffentlichten Meinung, wo immer mehr Menschen sagen: 'Ja, bitte, wollt ihr uns für dumm verkaufen? Egal, welche Tageszeitung ich kaufe, egal, welchen Fernsehsender ich aufdrehe, überall die gleichgeschaltete Berichterstattung'.

Da gehen zu recht immer mehr Menschen - auch bei euch in Deutschland - hinein in die moderne Kommunikation, man nennt es auch alternative Medien, weil es dort Meinungsvielfalt, weil es genau dort die Pluralität gibt, weil es die Möglichkeit gibt, auch andere Meinungen zu lesen und sich dadurch eine eigene Meinung zu bilden. Das passt den etablierten Medien gar nicht, weil sie merken, dass sie immer uninteressanter werden, und die Menschen sich immer mehr von ihnen abwenden.“

Gehen wir ins Detail: Der Rechtspopulist erklärt zuallererst, dass er differenzieren wolle. Er spricht sich nicht pauschal gegen „die Lügenpresse“ aus, sondern nur gegen einen Teil davon - gegen die angeblich „unanständigen“ Journalisten.

Er sagt, er würde „nie hergehen und pauschal“ ein Urteil treffen - um es dann einen Atemzug später doch zu tun, indem er konstatiert: „Wir haben es natürlich mit einer Systematik zu tun, wo oftmals Journalisten gar nicht mehr frei und unabhängig berichten dürfen, wo alles durchgeschaltet ist, gleichgeschaltet ist.“

Es folgt ein weiteres Pauschalurteil: „Egal, welche Tageszeitung“, „egal, welchen Fernsehsender“ er konsumiert, er fände „überall die gleichgeschaltete Berichterstattung.“

Der Politiker suggeriert bei den eigenen Anhängern eine große Verschwörung innerhalb der Medienlandschaft, „alles“ sei „durchgeschaltet“, die Bevölkerung werde für „dumm“ verkauft.

Praktischerweise liefert er den eigenen Fans gleich eine Empfehlung mit, wie sie reagieren sollen: „Hinein in die moderne Kommunikation“, sagt der Parteichef. Wobei er gleich klarstellt, welchen Teil der modernen Kommunikation er meint: „Man nennt es auch alternative Medien“.

Strache ist nicht der einzige Populist, der seinen Wählern eine Abschottungsstrategie gegenüber den etablierten Medien empfiehlt. Trump hat im Wahlkampf zu Anhängern einmal gesagt: „Vergesst die Presse, lest das Internet. Studiert andere Dinge, geht nicht zu den Mainstreammedien.“ So zitierte ihn das Coloradio Public Radio, ein öffentlich-rechtliches Medium, dem Trump dann als Präsident, wie allen anderen auch, die Finanzierung aus Bundesmitteln strich.

Diese Zitate deuten bereits auf die mediale Strategie von Rechtspopulisten hin: Sie nähren den Zweifel an etablierten Medien und empfehlen kraftvoll, ins Internet auszuweichen. Und ausgerechnet im Internet finden sich dann „alternative Medien“, die auffallend freundlich über den jeweiligen Rechtspopulisten berichten und harte Worte über ihre politischen Gegner finden.

Sehen wir uns das anhand der drei Beispiele Trump, FPÖ in Österreich und AfD in Deutschland an: ...

Unsere Empfehlung:

„Lügen im Netz“ ist ein ganz wesentlicher Beitrag, die Leser/innen im kritischen Umgang mit neuen Medien zu sensibilisieren. Im Gegensatz zu früher kann heutzutage jeder ungeprüfte oder erfundene Nachrichten, Bildmontagen oder Videos ins Netzt stellen und damit Reichweiten erzielen, die einstmals nur professionelle Journalisten hatten.

Lügen bzw. verfälschte Meldungen werden ganz gezielt verbreitet, um einzelne Personen und ganze Gruppen, meist aus politischen Motiven, zu diffamieren. Auch wenn die Nachrichten dann oft als "Fakes" entlarft werden, so bleibt dann doch Einiges "hängen" und die Dementis werden oft gar nicht wahrgenommen. Vor allem Rechtspopulisten, aber auch andere meist extremistische Gruppierungen, haben Falschmeldungen als effizientes Instrumentarium der Demaogogie erkannt.  

Solche Meldungen werden nicht nur von Anhängern, sondern auch von getäuschten Leser/innen gerne aufgegriffen und dann geteilt und verbreitet. Die Falschmeldungen emotionalisieren und regen zu hetzerischen Kommentaren an, wobei oft eine unheilvolle Spirale der Polarisierung und der Eskalation von Aggressivität in Gang gesetzt wird. Der gesellschaftliche Zusammenhalt wird dadurch schwer beeinträchtigt, die Diskussionskultur wird zerstört und somit wird auch eine wesentliche Grundlage unserer (meinungs)pluralistischen Demokratie untergraben.  

Nur wenn möglichst viele Menschen diese Strategien durchschauen, dann haben "Fake News" und die Drahtzieher dahinter wenig Chance. Das Buch liefert auch viele konkrete Tipps und Tricks für den User. Diese dienen als eine wertvolle Hilfestellung zur Entlarvung von Falschmeldungen.

Insofern empfehle ich dieses Buch nicht nur für Erwachsene, sondern auch für Schüler/innen als Klassenlektüre und als Grundlage für Unterrichtsprojekte und Diskussionen.

Der konstruktive und kritische Umgang mit Medien kann nicht früh genug erlernt werden!


Ingrid Brodnig über "Lügen im Netz"

Wie mit Fake News Politik gemacht wird. Profil-Autorin Ingrid Brodnig über Lügen im Netz - und wie man sich davor schützen kann.

Veröffentlicht am 20. 06. 2017; Dauer: 3:21

Ingrid Brodnig über Falschmeldungen in Social Media

Ein derzeit aktuelles Thema sind Falschmeldungen, auch Fake News genannt, in Sozialen Medien. Brodnig verrät uns, wie man Gerüchte von Fakten unterscheiden kann und warum sich solche Falschmeldungen so hartnäckig im Internet halten.
Außerdem sprechen wir mit ihr über die vom Bildungsministerium geplante Digitalisierungsstrategie für Schulen, die unter anderem Medienbildung ab der Volksschule vorsieht.

Veröffentlicht am 16. 03. 2017; Dauer: 6:59

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