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Djadi, Flüchtlingsjunge: Roman für Kinder und Erwachsene

Peter Härtling: Djadi, Flüchtlingsjunge: Roman für Kinder und ErwachseneAutor: Peter Härtling
Format: Hardcover, E-Book
Seitenanzahl: 116 Seiten
Verlag: Beltz & Gelberg
Auflage: 1 (Juli 2017)
Sprache: Deutsch
ISBN: 978-3407821645
Altersempfehlung: 10 - 12 Jahre

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DER SPIEGEL: Zum Tod von Peter Härtling >>>

 

 

 


Klappentext:

Djadi ist elf, als er alleine aus Syrien flieht und in Frankfurt strandet. Niemand weiß, was er bei seiner Flucht über das Mittelmeer erlebt und was er verloren hat.

Ganz allmählich lernt er der Wohngemeinschaft, die ihn aufgenommen hat, zu vertrauen. Ein berührender Roman voller Zuversicht, mit dem man in die verwundete Seele eines Kindes blickt ...

Djadi ist mutterseelenallein in Frankfurt, als ihn die Alten-WG von Jan und Dorothea aufnimmt und sich um den Jungen kümmert. Tag für Tag lernt er die neue Welt ein bisschen mehr kennen. Er lernt die Sprache, die Gewohnheiten seiner neuen »Familie« und sich in der Schule zu behaupten.

Aber es ist die große innere Nähe und Freundschaft zu dem 75-jährigen Wladi, die Djadi hilft, mit seinen Ängsten zu leben. Ein poetischer und berührender Roman voller Zuversicht, mit dem man in die verwundete Seele eines Kindes blickt.

Über den Autor , Herausgeber und Journalisten Peter Härtling:

Peter Härtling (Autor)Peter Härtling, geboren 1933, verbrachte seine Kindheit zunächst in Hartmannsdorf bei Chemnitz, wo sein Vater eine Rechtsanwaltskanzlei unterhielt.

Während des Zweiten Weltkriegs zog die Familie nach Olmütz in Mähren, gegen Ende des Kriegs floh sie vor der Roten Armee nach Zwettl in Niederösterreich. Im Juni 1945 starb der Vater in sowjetischer Kriegsgefangenschaft.

Nach dem Krieg übersiedelte Härtling nach Nürtingen, besuchte dort das Max-Planck-Gymnasium und wurde Volontär bei der Nürtinger Zeitung. 1946 nahm sich seine Mutter das Leben. Deren Vergewaltigung durch russische Soldaten hatte Härtling 1945 mitansehen müssen.

1948 lernte er in Nürtingen den Bildhauer Fritz Ruoff kennen, der zu seinem Mentor wurde. 1959 heiratete er die Psychologin Mechthild Meier. Das Paar hat vier gemeinsame Kinder.

1954/1955 war Härtling Redakteur bei der Heidenheimer Zeitung, 1956 bis 1962 bei der Deutschen Zeitung und 1962 bis 1964 bei der Zeitschrift "Der Monat", deren Mitherausgeber er daraufhin bis zum Jahr 1970 war. In den 1960er Jahren beteiligte sich Härtling an Wahlkämpfen für die SPD, später wandte er sich von ihr ab und unterstützte die Friedensbewegung.

Härtling war 1967 als Cheflektor und von 1968 bis Ende 1973 in der Geschäftsleitung des S. Fischer Verlags in Frankfurt am Main tätig. Seit 1974 arbeitete er als freier Schriftsteller.

Im Wintersemester 1983/84 hielt Härtling die Frankfurter Poetik-Vorlesungen, in deren Verlauf die Erzählung "Der spanische Soldat" nach einer Fotografie von Robert Capa entstand. Von 1985 bis 1991 war er Mitglied der Synode der Evangelischen Kirche Deutschlands.

Von 1998 bis 2006 war Härtling Präsident der Hölderlin-Gesellschaft. Er war Mitglied der Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz, der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, der Akademie der Künste Berlin und des PEN-Zentrums Deutschland.

Ihm wurden darüber hinaus viele Literaturpreise und Auszeichnungen anderer Art zuteil, wie z. B. im Jahr 2004 die Ehrenbürgerschaft der Stadt Nürtingen, in der auch ein privates Gymnasium nach ihm benannt wurde. Rund 20 Schulen wurden bislang nach ihm benannt. Ab 2012 war Härtling ehrenamtlich als „Botschafter“ für die Deutsche Lungenstiftung tätig.

Peter Härtling (Autor)Peter Härtling widmete einen großen Teil seines literarischen Werkes der Aufarbeitung der Geschichte und der eigenen Vergangenheit. Der autobiografische Roman "Zwettl" (1973) beschäftigt sich mit der Zeit in Niederösterreich nach der Flucht der Familie vor der Roten Armee. "Nachgetragene Liebe" (1980) verarbeitet Härtlings Erinnerungen an den früh verstorbenen Vater.

In seinem 1990 erschienenen Buch "Herzwand" beschreibt der Autor seinen Lebensweg von der Ankunft als Flüchtlingskind in Nürtingen über die Förderung in Schule und Ausbildungszeit bis zum Mitwirken an den Auseinandersetzungen um die Startbahn West des Frankfurter Flughafens.

Thematisch prägend ist in Härtlings Gedichten, Essays und Kritiken auch die Heimat, die er in Württemberg gefunden hat.

Nachdem Härtling 1969 eine Laudatio auf den tschechischen Kinderbuchautor Jan Procházka gehalten hatte, begann er 1970, selbst Bücher für Kinder zu schreiben. Seine Kinder- und Jugendbücher behandeln meist soziale Probleme, die Kinder betreffen.

* Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Peter_H%C3%A4rtling

Leseprobe aus dem Buch "Djadi, Flüchtlingsjunge":

Sechs und Einer

Peter Härtling: Djadi, Flüchtlingsjunge: Roman für Kinder und ErwachseneEr kam, von Jan begleitet, unerwartet für die Wohngemeinschaft. Wie vom Himmel gefallen. Für sein Alter war er zu klein, zu dünn, krummbeinig wie ein Cowboy und mit einem angestrengten Gesicht, in dem große schwarze Augen steckten.

Jan hielt ihn an der Hand. Die anderen in der Wohnküche kreisten die beiden ein, musterten sie verblüfft.

"Was soll das?", fragte Gisela ein wenig zu schroff. "Wer ist das?"

Der Junge schaute in die Runde. Jeder, den sein Blick traf, schaute weg.

"Was hast du mit ihm vor?", fragte Detlef. "Ich habe ihn in der Jugendhilfe kennengelernt", sagte Jan, "er war da ziemlich allein und ich habe ihn fürs Erste mitgenommen. Auf alle Fälle muss er sich erst einmal
an uns gewöhnen".

"Wie heißt du?", fragte Dorothea, die keine Unruhe in der Wohngemeinschaft aus der Ruhe bringen konnte.

"Er versteht dich nicht". Jan zog den Jungen noch näher an sich, als müsste er ihn vor blöden Fragen schützen.

"Weißt du es?" Dorothea ging in die Hocke, um dem Kind näher zu sein. "Ich habe den Eindruck, er versteht uns ganz gut".

"Möglich". Jan versuchte, sie zu überreden: "Er ist mutterseelenallein angekommen. Begleitet von einem alten Mann, der ihn schnell loswerden wollte. Er hat seine Eltern verloren. Von Geschwistern keine Spur. Ich nehme an, die andern haben ihn aus Mitleid mitgeschleppt".

"Wenn man da noch von Mitleid reden kann", meinte Wladimir. "So wie ich die Leute verstanden habe, fuhr Jan fort, heißt der Junge Djadi".

"Djadi?" Dorothea musterte nachdenklich den Jungen. "Die Leute, die ihn milbrachten, kommen alle aus Horns. Sie erzählten, Djadi sei plötzlich da gewesen. Deswegen wüssten sie über seine Familie nicht Bescheid. Er ist schon eine Weile in Deutschland".

Djadi schaute hoch zu seinem Beschützer. Gisela forderte sie auf, sich an den Tisch zu setzen.

"Hat der Junge überhaupt schon etwas zu essen bekommen?" Alle nahmen Platz, doch Jan und Djadi blieben stehen. Das brachte Wladi auf: "Verflixt, setzt euch doch".

Jan schüttelte den Kopf: "Nee. Zuerst einmal eine für unsere Wohngemeinschaft notwendige Prozedur. Da Djadi uns nicht kennt und wir sowieso nichts von ihm wissen, stelle ich uns ihm erst mal vor".

"Bist du sicher? Er versteht doch nichts". Die ganze Tischgesellschaft redete durcheinander.

"Versuchen wir's". Jan drehte sich dem Jungen zu, sodass sie sich gegenüberstanden.

"Du", er zeigte auf das Kind, "du bist Djadi". Er klopfte sich auf die Brust: "Ich, ich bin Jan". Er zeigte auf den Jungen: "Djadi!" Zeigte auf sich: "Jan!" Der Junge blieb ernst, nickte und sagte zögernd: "Jan".

Jan klatschte in die Hände: "Bravo, Djadi". Danach trat er mit Djadi an den Tisch zu Wladi und Kordula: "Die beiden hier, diese vom Leben abgerundeten, sind Wladi und Kordula. Wladi war, das ist schon lange her, Lehrer".

Wladi lachte freundlich, sein gerötetes Gesicht glühte. Er lehnte sich gegen Kordula: "Das ist meine Frau, Kordula. Sie war wie ich Lehrerin und ist es noch".

Jan ging einen Schritt auf Dorothea zu: "Das ist meine Dorothea. Wir leben zusammen. Sie ist Psychologin. Sie macht manchmal Kinder wie dich gesund".

Dorothea lachte, zeigte auf sich und sagte: "Doro. Die bin ich". Über Djadis Gesicht huschte ein Lächeln. Es war nicht sicher, ob es ein flüchtiger Schatten oder ein Streifen Licht war ...

Die vollständige Lesprobe findet ihr hier bei Amazon >>>

Rezension  eines Lesers:

Peter Härtling: Djadi, Flüchtlingsjunge: Roman für Kinder und ErwachseneViele Menschen erinnern sich noch gut an das traurige Bild des kleinen Flüchtlingsjungen, der im letzten Jahr an der Küste der Türkei tot angespült und gefunden worden war. Dies war nach eigener Aussage der Augenblick, als der 1933 geborene Romanschriftsteller und Autor zahlreicher Kinder-und Jugendbücher, Peter Härtling, den Entschluss fasste, diese Thematik in einem Buch für Kinder zu verarbeiten.

Peter Härtling: Djadi, Flüchtlingsjunge: Roman für Kinder und ErwachseneSelbst als Kind auf der Flucht gewesen nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, weiß er genau, was in solchen Kindern vor sich geht, aber auch was man anderen Kindern, die ein Zuhause und Eltern haben, zumuten kann.

Als eine Art Spiegelbild der Generationen erfindet er eine Wohngemeinschaft in Frankfurt, die schon seit vielen Jahren zusammen wohnt und in der Wladi der älteste ist. Er ist sozusagen eine Art Alter Ego des Autors und versucht, in der Gruppe immer wieder zu vermitteln und zu erklären.

Das ist besonders nötig, als Jan, der bei Jugendhilfe arbeitet, eines Tages einen für sein Alter sehr kleinen elfjährigen Jungen aus Syrien mit in die Wohnung bringt, den er dort getroffen hat:

„Er ist mutterseelenallein angekommen. Begleitet von einem alten Mann, der ihn schnell loswerden wollte. Er hat seine Eltern verloren. Von Geschwistern keine Spur. Ich nehme an, die anderen haben ihn aus Mitleid mitgeschleppt.“

Detlef und Gisela, die in der großen Wohnung ein gemeinsames Steuerbüro betreiben, Dorothea, die Frau von Jan, Kordula und der alte Wladi zeigen sich nach einem ersten Zögern einverstanden damit, dass Djadi, so heißt der Junge, unter der Betreuung von Jan und Dorothea in die WG aufgenommen wird.

Zunächst bleibt der Junge stumm. Doch langsam lebt er sich ein, nachdem Jan alle Formalitäten erledigt hat und auch mit ihm beim Arzt war.

Vor allem der alte Wladi ist es, der dem Jungen hilft, die neue Welt jeden Tag ein wenig kennenzulernen. Als er irgendwann in eine Schule geht, ist er mit vielen Problemen konfrontiert. Ablehnung deutscher Schüler, aber auch neue Freundschaften.

Ein gemeinsamer Urlaub der WG an der Ostsee tut ihm gut, doch dann wird Wladi sehr krank und Djadi steht vor einem erneuten großen Verlust. Und er findet für seine Trauer, auch um seine Eltern, ein Ritual, das ihm hilft.

Der neue Roman von Peter Härtling ist eine eindringlich und doch voller Hoffnung und Zuversicht erzählte Geschichte eines Flüchtlingskindes, für Grundschulkinder ab der 3. Klasse und Erwachsene gleichermaßen geeignet.

* Quelle: http://amzn.to/2wYoTEA / * Bildquellen: Photo of Alan Kurdi's lifeless body on a beach; Author or copyright owner Nilüfer Demir from DHA Agency (Turkey) / Dutch Child Refugees- Arrival in Britain at Tilbury, Essex, England, UK, 1945; Ministry of Information Photo Division Photographer
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Im März 2017 erschien zu diesem Buch ein 32 seitiges Lehrerhandbuch für den Einsatz des Romans im Unterricht. Es ist zu hoffen, dass sich viele Lehrkräfte dazu entschließen werden.

Martin Urbanek


»Djadi, Flüchtlingsjunge« im Unterricht:
Lehrerhandreichung zum Kinderroman von Peter Härtling
(Klassenstufe 3–5, mit Kopiervorlagen)

Peter Härtling: Djadi, Flüchtlingsjunge: Roman für Kinder und ErwachseneAutor: Kristina Kroll
Format: Broschüre
Seitenanzahl: 32 Seiten
Verlag: Beltz & Gelberg
Auflage: 1 (März 2017)
Sprache: Deutsch
ISBN: 978-3407630407
Altersempfehlung: 10 - 12 Jahre

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Peter Härtling zu Gast bei "3 kluge Köpfe"

Peter Härtling gehört zu den bekanntesten Schriftstellern Deutschlands. Über 60 Bücher und Gedichtbände hat er verfasst.

„Ben liebt Anna" gehört zu seinen meist verkauften Jugendbüchern. Dabei ging es in seiner eigenen Jugend eher ums Überleben als um romantische Gefühle.

Peter Härtling, Jahrgang 1933, wurde in Chemnitz geboren, auf der Flucht vor der Roten Armee landete die Familie im niederösterreichischen Zwettl. Doch auch dort war sie nicht sicher. Seine Mutter erlitt ein Schicksal wie viele Frauen zu der Zeit, die den sowjetischen Soldaten nicht entgehen konnten. Sein Vater verstarb in russischer Kriegsgefangenschaft.

Peter Härtling, der heute in Mörfelden-Walldorf lebt, nennt diese Zeit im Gespräch mit den FAZ-Moderatoren Werner D'Inka, Herausgeber, und Peter Lückemeier eine "dem Irrsinn nahe Zeit". Viele seiner Bücher tragen autobiografische Züge, so auch der Titel „Nachgetragene Liebe", in der er an seinen Vater erinnert.

Veröffentlicht am 07.10.2013; Dauer: 00:30:00


Peter Härtling »Bilder meiner Kindheit«

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