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Der Aufstand der Dummheit: Und wie wir ihn stoppen

Robert Misik: "Der Aufstand der Dummheit: Und wie wir ihn stoppen"Autor: Robert Misik
Format: Hardcover, E-Book, Hörbuch
Verlag:
edition a
Seitenanzahl: 112
Auflage: 1 (Mai 2017)
Sprache: Deutsch
ISBN:
978-3990012192

Altersempfehlung: ab 14 Jahre, Erwachsene

Website von Robert Misik
 

 

 

 

 

 


Klappentext:

Die Welt erlebt einen Aufstand der Dummheit. Dummheit ist niemandem mehr peinlich. Nie war ein Mangel an Intelligenz und an Exzellenz so gesellschaftsfähig wie heute, und nie waren die intelektuellen Eliten so wenig gefragt.

Doch was machen die Dummen mit der Welt, wenn wir sie lassen? Und wie können wir sie noch aufhalten?

Über den Autor Robert Misik:

Robert Misik (Autor)Robert Misik (geb. 1966 in Wien) ist ein österreichischer Journalist und politischer Schriftsteller. Er schreibt Reportagen, Analysen und Kolumnen für den Wiener "Falter" und die Berliner "taz".

Als kritischer Beobachter und Kommentator des politischen Geschehens und gesellschaftspolitischer Entwicklungen - auch in seinem wöchentlichen Video-Blog "Misik-TV" - bereichert er den öffentlichen Diskurs regelmäßig mit kontroversiellen Argumenten und Ansichten.

1999 erhielt Robert Misik den Bruno-Kreisky-Preis für das politische Buch, 2009 wurde er mit dem Österreichischen Staatspreis für Kulturpublizistik geehrt.

Zuletzt erschienen folgende Bücher:

Leseproben aus dem Buch "Der Aufstand der Dummheit"

Auszug aus Kapitel 1: "SCHWARMDUMMHEIT":

Christine Erdiç: Nepomucks MärchenVor zwei Jahren lachte ganz Österreich über den FPÖ-Parteivorsitzenden Heinz-Christian Strache. Der verbreitete mit milieutypischer Empörung einen Bericht, wonach die EU-Kommission das Wiener Schnitzel verbieten wolle, weil die Panier allergene Substanzen enthalte und das Ganze auch sonst gesundheitsschädlich sei.

Unter seinen Hunderttausenden Facebook-Anhängern brach erwartungsgemäß Empörung aus. Peinlich für den Populistenanführer: Er war einem Scherz einer Tageszeitung zum 1. April auf den Leim gegangen und offenbar nur allzu leicht bereit gewesen, alles, noch den groteskesten Unsinn, zu glauben, wenn der nur in sein Weltbild passt.

Es sollte nicht die einzige Meldung dieser Art bleiben, die Strache seinen Hunderttausenden Followern auf Facebook präsentierte. Immer mehr Menschen sind bereit, jeden Unsinn zu glauben.

Eine erschreckend hohe Zahl ist zwar schnell dabei, jeder Nachricht zu misstrauen, die von professionellen Medien verbreitet wird, zweifelt aber zugleich keine Sekunde und glaubt jede Horrormeldung, sofern sie nur von einem Pseudomedium verbreitet wird, das ihnen glauben macht, einer unterdrückten Wahrheit würde zum Durchbruch verholfen.

Es ist geradezu bizarr: Ist eine Nachricht derart absurd, dass es eigentlich jeder Vernunft widerspricht, an sie zu glauben, dann steigert das gerade ihre Glaubwürdigkeit. Dann haftet ihr etwas besonders Geheimnisvolles an, die Aura der bisher verschwiegenen, wenn nicht sogar unterdrückten Wahrheit.

Gibt es für sie überhaupt keine stichhaltigen Beweise, macht sie das erst recht glaubwürdig, weil man daran sieht, dass irgendwelche finsteren Eliten sich dazu verschworen haben, Beweise zu vernichten.

Ein Klüngel von Psycho-Aliens regiert die Welt? Chemtrails sollen unser Bewusstsein steuern? Der Flüchtlingsstrom wurde von der Großindustrie organisiert, um billige Arbeitskräfte zu importieren, oder von den Liberalen, um die christlichen Werte in Europa auszurotten?

Nichts ist krause genug, dass es nicht auf ebenso verdrehte Weise für plausibel gehalten werden könne. Und gerade die Nichtbeweisbarkeit zeigt, wie raffiniert die Weltherrscher vorgehen - sie lassen einfach alle Indizien verschwinden. Kurios?

Ja, aber es kommt noch ärger. Gelegentlich kommt es sogar vor, dass sich gerade jene, die jeden Unsinn glauben, der sich als »Anti-Mainstream« ausgibt, als besonders gut informiert wähnen - weil sie ja über eine Art Geheimwissen verfügen, von dem Leser von Süddeutscher, FAZ,New York Times oder Le Monde keine Ahnung haben.

Und das Praktische ist: Für einen solchen »Wissensvorsprung« braucht man nicht einmal allzu viel Anstrengung ...

Kindle-Position 36

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Auszug aus dem 5. Kapitel: "DUMMDREIST":

Christine Erdiç: Nepomucks Märchen... auch ein Ungebildeter Kann etwas zu sagen haben. Aber was wir heute erleben, ist etwas anderes: Der Stolz auf die Unbildung. Dummheit ist den Leuten nicht mehr peinlich.

Mehr noch: Im Echoraum der wechselseitigen Selbstbestätigung ganselt man sich auch noch gegenseitig hoch, bestätigt sich darin, dass man recht habe, dass alles noch viel schlimmer sei, dass man noch einen Kick ärger kommunizieren müsse. Im Extremfall ergibt das einen Intemetmob, einen Mob 2.0, der sich gegenseitig hochschaukelt.

Natürlich ist nichts von all dem völlig neu. Es gibt sogar eine Ideologie der Dummheit, die seit bald zweihundert Jahren intakt ist, den »Antiintellektualismus«. Dass Fühlen wichtiger als Wissen sei, das gesunde Empfinden mehr Tiefe und Ehrlichkeit hat als intellektuelle Vergeistigtheit - diese Theorie des Volkstümlichen kennt seit jeher viele Spielarten.

Eher linke, die das »natürliche Gerechtigkeitsempfinden« des Volkes hochhalten, in Opposition zum dauernden Theoretisieren anderer Linker. Es gibt eine romantische Version. Dann gibt es die normale, alltagsdumme Version, vertreten von Leuten, denen Denken einfach zu anstrengend ist.

Aber wirklich wirkmächtig wurde der Antiintellektualismus als rechte Ideologie. »Zu viel Nachdenken ist schlecht«, schrieb schon Hitlers Chefpropagandist Joseph Goebbels.

»Ich steh an einem festen Punkt und betrachte unter einem bestimmten Blickwinkel das Leben und die Welt. Das hat gar nichts mit Wissen oder mit Bildung zu tun. Ist der Punkt richtig und der Blickwinkel gerade, dann ist die Weltanschauung klar und gut. Wo nicht, ist sie verschwommen und schlecht!«

Die verschiedenen rechten oder populistischen Spielarten des »Antiintellektualismus« hielten die Ehrlichkeit des Landlebens gegenüber der Künstlichkeit der Städte hoch, und im Extremfall wurde das verhasste Konzept des Intellekts auf eine ganze Volksgruppe gespiegelt.

Bei den Nazis hieß das: Der deutsche Michel ist schlicht, aber ehrlich und geradlinig, der Jude ist verkopft, vergeistigt und verschlagen. Das Land und die Scholle sind ehrlich. Die Städte sind dekadent.

Wir wissen, wie das ausgegangen ist.

Kindle-Position 665

Unsere Empfehlung:

Spätestens seit dem amerikanischen Wahlkampf wissen wir, dass sich Demagogen nicht mehr schämen müssen, als Lügner oder Verbreiter von Falschmeldungen entlarvt zu werden. Konfrontiert man sie mit einer langen Liste an ganz offensichtlichen "Fakes", dann behaupten sie, wie etwa Trumps Beraterin Kellyanne Conway, sie hätten eben »alternative Fakten«.

Das Erschreckende dabei: Eine große Zahl von Menschen ist bereit ist, diese Dummheiten zu glauben und den Verbreitern von Unwahrheiten zu applaudieren, obwohl sie wissen, dass es sich um Dummheiten handelt.

Dummheiten zu verbreitet gilt sogar als mutig, solange man das hört, was ins eigene Weltbild passt und was die eigenen Vorurteile nährt.

Die Demagogen gehen ihrerseits davon aus, dass schon etwas davon hängen bleibt, sobald zu einfach gestrickte Erklärungsmuster bzw. Lügen als solche entlarvt wurden.

In seinem Buch "Der Aufstand der Dummheit" analysiert der österreichische Journalist, Schriftsteller und Staatspreisträger Robert Misik die verhängnisvolle Dynamik aus Einfalt und ihrer Nahrung, wie sie von und in bestimmten Medien zubereitet wird. Soziale Medien spielen bei dieser Art von "Meinungsbildung" eine immer größer werdende Rolle.

Der Begriff "Dummheit" ist gewiss provokativ und verspricht heftige Kontroversen (... "es könnte sich ja jemand beleidigt fühlen" ...). Allerdings legt Robert Misik genau dar, was er selbst unter diesem Terminus versteht. Ihm geht es dabei weniger um einen Mangel an Faktenwissen oder Intelligenz als um Arroganz und Resistenz gegenüber vernünftigen und stichhaltigen Argumenten.

Das Buch ist leicht lesbar geschrieben und reich an unterhaltsamen und penibel recherchierten Beispielen aus Medien und Politik.

Ein Werk, das hoffentlich Viele zum Nachdenken und Umdenken anregt. Für kontroversielle Diskussionen, auch an Schulen im Rahmen des Unterrichts, ist außerdem ausreichend gesorgt.


Empört, erschüttert, blindwütig -
eine Kritik der hysterischen Kommunikation

Veröffentlicht am 18.04.2016; Dauer: 10:36

 

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