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Im Vorhof der Hölle: Ein Buch gegen das Vergessen (Roman)

Carlo Ross: Im Vorhof der Hölle: Ein Buch gegen das Vergessen (Roman)Autor: Carlo Ross
Format: Taschenbuch
Seitenzahl: 288 Seiten
Verlag: dtv Verlagsgesellschaft
Auflage: 1 (1994)
Sprache: Deutsch
ISBN: 978-3423780551

Altersempfehlung: 12 bis 14 Jahre

 

 

 

 

 


Klappentext:

1942 wird der 14-jährige Jude David Rosen nach Theresienstadt gebracht. Dieses Lager, von den Nazis als »Vorzeige-KZ« konzipiert um es der Presse und ausländischen Besuchern vorzuführen, wird von seinen Bewohnern auch »Vorhof zur Hölle« genannt.

Jeder hier weiß, dass es aus Theresienstadt nur einen Weg gibt: in die Vernichtungslager. David merkt schnell, dass hinter der künstlichen Fassade der gleiche brutale Alltag von Terror und Angst herrscht, dem die Juden in dieser Zeit überall ausgesetzt sind. Er hat nur ein Ziel: Er will überleben.

Über den Inhalt:

Der 14-jährige David Rosen lebt mit seiner Mutter in einem Ghetto für Juden in Riga. Eines Tages kommt der Befehl zum Abtransport in den Osten. Die Juden werden zusammengetrieben und getrennt, deshalb verliert David seine Mutter und wird in einen der kleinen Viehwaggons gesteckt ...

In der Enge und dem Gestank nach Kot und Dreck lernt David einen Doktor kennen, der Weinberger heißt. Der Doktor hilft ihm und übersteht mit ihm die schreckliche Fahrt, die Richtung Osten geht.

Nach der Ankunft in Bauschowitz lernt David schon die Härte der Deutschen kennen, die keine Fehler dulden. Jetzt folgt ein 3 Kilometer langer Fußmarsch nach Theresienstadt, dem Endlager der Juden. In der Stadt angekommen werden sie durchsucht und müssen ihr Gepäck abgeben. Sie erhalten eine Transportnummer und einen Ausweis, der ihr Überleben zunächst vorübergehend sichert. Danach werden ihnen die Regeln vorgetragen, die sie zu beachten haben und ihnen wird vorgegaukelt, dass die Stadt eine ganz normale sei, was aber keiner richtig glaubt.

Zeichnung aus dem Konzentrationslager Theresienstadt: Im Vorhof der HölleDavid erhält nun einen entscheidenden Vorteil, er wird von Dr. Weinberger als seinen persönlichen Helfer vorgeschlagen und sofort genommen, weil in der Stadt dringend medizinische Kräfte benötigt werden. Dies rettet ihn vor der Zwangsarbeit, die um einiges Härte wäre. David wird ein Schlafplatz im Jugendheim zugeteilt, indem gleichaltrige Jungen leben.

In den nächsten Monaten arbeitet er ganz alleine in der psychiatrischen Abteilung, indem Verwirrte leben, denen sonst keiner hilft. Nach einer Zeit werden diese aber auf den sogenannten Transport geschickt, was für sie den Tod bedeutet. David lernt nun immer mehr die schlechten Zeiten im Ghetto kennen, besonders der Hunger und die Diebstähle machen ihm schwer zu schaffen. Es gilt das Motto: „Fressen, oder gefressen werden“.

Der Sommer 1942 beginnt und David arbeitet nun als Feger auf den Straßen, was für ihn noch erträglich ist. Am Morgen des 10. Juni wird bekannt, dass ein SS-Mann ermordet worden ist und David wird darauf, da er als besonders kräftig gilt, zu einem Arbeitseinsatz mit 30 anderen Männern eingeteilt. Sie fahren zu einem nahegelegen Dorf, welches lichterloh brennt. Sie bekommen den Auftrag ein Massengrab auszuheben und hören, dass im Dorf die Kämpfe noch immer andauern.

Nach Vollendung müssen sie die Leichen der Menschen ins Grab werfen. Als Lohn bekommen sie eine Schachtel Zigaretten, welche David aber ablehnt. Er sieht zum erstenmal die Grausamkeiten des Krieges und ist schockiert. Das Leben geht für ihn weiter und er arbeitet weiter sehr hart. In seiner knappen Freizeit besucht er der Dr. Weinberger und spielt für die kranken Kinder Puppentheater. Zusätzlich fängt er an zu dichten, wofür ihn die anderen Jungen auslachen.

Der Winter naht und die Aktion „Jugend hilft“ startet, für die sich David sofort freiwillig meldet. Er wird dem Kriegsinvaliden Josef Herz zugeordnet, der auf einem Dachboden mit 11 anderen alten Menschen zusammenlebt. David holt den Alten das Essen und repariert das Dach, was den alten Menschen sehr hilft zu überleben. Im Januar 1943 bekommt David eine neue Arbeit zugewiesen, er soll in der Kohlenkolonne arbeiten. Bei dieser Arbeit wird ein SS-Offizier auf ihn aufmerksam, weil er so hart arbeitet. Von nun an soll er in der SS-Kaserne als Diener und Putzer arbeiten.

In seiner Freizeit lernt er Vera im Jugendgarten kennen, in die er sich prompt verliebt. Sie arbeitet als Kinderkrankenschwester und verliebt sich auch in ihn. Die beiden werden ein Paar und verbringen jede freie Minute miteinander. David erfährt durch die Arbeit bei den SS-Männern, dass eine Kommission in die Stadt kommt um die Verhältnisse zu überprüfen.

Die SS inszeniert ein perfektes Schauspiel und keiner der Überprüfer merkt, was wirklich in Theresienstadt passiert. Im Herbst 1943 erfährt David, dass Josef Herz mit seinen Freunden auf Transport geschickt werden soll. Er ist geschockt, denn er weiß, dass sie sterben werden. Oppermann, einer der alten Invaliden gibt ihm zum Abschied zwei Brillianten, die er versteckt hat. Als er zu seiner Freundin Vera geht, um ihr alles zu erzählen, erfährt er, dass sie ebenfalls auf der Transportliste steht.

David ist nun zu allem entschlossen und geht zu der Transportleitung um sie streichen zu lassen. Er schafft es einen niedrigen Beamten mit den Brillianten zu bestechen, der die Listen überprüft. Er streicht den Namen und Vera ist gerettet. Gegen Ende des Jahres gehen nun immer mehr Massentransporte in Richtung Osten. Im Januar 1944 wendet sich langsam das Kriegsglück und die Deutschen werden plötzlich freundlicher, wahrscheinlich um ihre eigene Haut zu retten.

Das Leben scheint für die Juden besser zu werden, aber der Schein trügt. Es kommen massenweise neue Menschen in die Stadt, denen es noch schlechter geht. Die Stadt ist überfüllt und es herrscht Chaos, nicht mal die Essensausgabe klappt mehr und die Menschen sterben wie die Fliegen. Eines Tages kommt der Befehl für einen Arbeitseinsatz, davon sind 15000 Juden im Lager betroffen, aber sie wissen nicht, dass die Fahrt in Wirklichkeit direkt in die Konzentrationslager gehen. Die Männer fahren als erstes und werden gezwungen Briefe zu schreiben, dass alles mit ihnen in Ordnung ist, damit die Frauen nachkommen. David blieb davon verschont, genau wie Vera, da sie beide in der Stadt gebraucht werden.

Im Januar 1945 wendet sich endgültig die Lage, die Deutschen übergeben die Stadt dem roten Kreuz. Tausende Flüchtlinge strömen in die Stadt und Epidemien brechen aus.

Am 7. Mai kapituliert Deutschland und die Russen kommen in die Stadt. David und Vera wollen die Stadt nun endgültig verlassen, aber ob sie Heimreise schaffen, lest ihr am besten selbst.
(Quelle: http://www.ciao.de/Im_Vorhof_der_Holle_Ross_Carlo__Test_2259389)

Über den Autor:

Carlo RossCarlo Ross (1928 bis 2004) war Journalist und Buchautor. In Hagen geboren und aufgewachsen, zählte er zu denjenigen, die plötzlich erfahren mussten, dass ihre jüdische Herkunft als ein unauslöschlicher Makel galt.

Karl Otto, so sein richtiger Vorname, lebte mit seiner verwitweten Mutter im Stadtteil Altenhagen, zählte zu den so genannten assimilierten Juden, die weder beschnitten noch getauft worden waren. Seine Mutter war Mitglied einer Baptistengemeinde.

Nach dem Ende des 2. Weltkrieges suchte der damals 17jährige mühsam seinen beruflichen Weg, wandte sich dem Journalismus zu. Anfangs schrieb er für Jugendzeitschriften, volontierte bei der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ), wechselte in die Sozialarbeit.

Dann gründete er in Berlin einen Kleinverlag, war Herausgeber eines Heimatkalenders und der Seniorenpost der Stadt. Später lebte er als freier Autor in Regensburg. Erst im Alter rang er sich dezu durch, seine persönlichen Erfahrungen, Erlebnisse und Einsichten in Büchern niederzuschreiben.

"...aber Steine reden nicht" erschein erstmals 1987 Bitter-Verlag und wurde zu einem Bestseller. Ross erzählte das Schicksal eines jüdischen Hagener Jungen, flocht neben Fiktivem viel autobiografische Details ein, öffnete mit diesem Werk vor allem in seiner Heimatstadt Leserinnen und Lesern die Augen für das Unrecht, das Juden angetan worden war.

"Im Vorhof der Hölle", einem Fortsetzungsband, geht es um die Jugendjahre des David Rosen im Ghetto Theresienstadt. In den selben Rahmen passt auch der Roman "Des Königs Kinder". Die angeblichen Ritualmorde von Juden an Christen führt Ross ad absurdum. Deutlich wird in diesem Buch, dass der Antisemitismus keineswegs allein ein Phänomen des 20. Jahrhunderts war und ist.

Nicht nur für die erwähnten Arbeiten wurde Ross ausgezeichnet. Zum "Buch des Monats" wurde "...aber Steine reden nicht" von der Akademie für Kinder- und Jugendliteratur in Volkach gewählt, wie auch der Eintrag in die Empfehlungsliste des Gustav-Heinemann-Friedenspreises 1988 vorgenommen wurde.

Die Jury des "Alfred-Müller-Felsenburg-Preises für aufrechte Literatur" entschloss sich, Carlo Ross am 1. September 1994 zu ehren.

Carlos Verhältnis zu Hagen war ambivalent geprägt: Er mochte seine Heimatstadt zwar nicht mehr, dennoch zog es ihn wieder dorthin. Schließlich söhnte er sich mit der Volmestadt aus und schlug erneut seine Zelte hier auf. Allen üblen Erfahrungen zum Trotz, kannte er keinen Hass. Er suchte niemals die Revanche, sondern stets das Verbindende und "Verbindliche", das Verbundensein aller Menschen guten Willens.

In sämtlichen nachfolgenden literarischen Werken ("Nur Gedanken sind frei", "Michel im Teufelskreis", "Herr der Schwarzen Zelte" etc. setzte er diesen Vorsatz immer wieder neu und eindringlich um.

Unsere Empfehlung:

Krematorium im Konzentrationslager Theresienstadt: Im Vorhof der HölleDas Buch ist sehr empfehlenswert, ganz besonders auch als Klassenlektüre zum Thema Holocaust, weil es sich intensiv mit dem Schicksal der Juden im dritten Reich beschäftigt. Die Geschichte ist sehr authentisch geschrieben und zutiefst bewegend.

Es werden viele Aspekte des Lebens im Getto Theresienstadt angesprochen und behandelt, was einem einen guten Einblick in den Ablauf der Ereignisse ermöglicht. Die Bilder werden lebendig, man leidet mit, einigen Stellen wiken auf den Leser sehr eindringlich und regen zur nachhaltigen Beschäftigung mit den Themen Nationalsozialismus, Rechtsextremismus und Rechtspopulismus an.

Diese Phänomene sind gerade heute wieder verstärkt zu beobachten und sollten von Jugendlichen kritisch durchdacht und auch im Unterricht behandelt werden. Dieses Buch liefert ausreichend Stoff für eine solche Auseinandersetzung mit der jüngeren Geschichte und den politischen Entwicklungen im heutigen Europa.

Christin Adlaßnig und Martin Urbanek

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