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Die Bleisoldaten (Roman)

 Ori Orlev: Die BleisoldatenAutor: Uri Orlev
Übersetzer: Mirjam Pressler
Format: Taschenbuch
Seitenzahl: 336 Seiten
Verlag: Beltz & Gelberg
Auflage: neu (2001)
Sprache: Deutsch
ISBN: 978-3407788559

Altersempfehlung: 14 bis 17 Jahre

 

 

 

 

 


Klappentext:

»Wir haben viele Bücher über jüdische Schicksale in der Nazizeit, dies ist eines der besten. Ein ganz großer, in sich ruhender Roman. Unvergesslich.« (Berliner Morgenpost)

Jurek ist elf, als er mit seiner Mutter und dem jüngeren Bruder Kazik ins Warschauer Ghetto kommt. Es ist kein leichtes Leben, doch Jurek und Kazik sind noch arglos: Sie wissen, dass Krieg herrscht, und spielen ihn mit ihren Bleisoldaten nach.

Was es in diesen Zeiten heißt, Jude zu sein, begreifen sie erst allmählich. Das Leben im Ghetto wird zunehmend schwerer, mit jedem Tag steigt die Gefahr, gefangengenommen und deportiert zu werden.

Immer wieder müssen die Brüder flüchten und ihre Verstecke wechseln. Dem Schicksal können sie dennoch nicht entgehen und kommen in das Konzentrationslager Bergen-Belsen – das beide aber am Ende überleben.

Über den Inhalt:

Wie viele andere, die den Holocaust überlebt haben, Jorge Semprun oder Louis Begley zum Beispiel, hat der Kinderbuchautor Uri Orlev sich mit der Niederschrift seiner Erinnerungen Zeit gelassen. Er ist elf, als er zusammen mit der Mutter und seinem jüngeren Bruder Kazik ins Warschauer Ghetto kommt.

Der Vater, ein angesehener Arzt, ist Soldat und eingezogen an die Front. Es sind harte Jahre für die Buben und oft wissen die beiden gar nicht so genau, was um sie herum vor sich geht, sie lernen jedoch täglich sehr rasch dazu. Als der naive, verträumte Juri mit seiner Mutter bereits in der Schlange der Menschen steht, die zum Abtransport in den Osten vorgesehen ist, begreift er, daß es ums blanke Überleben geht.

Juri, der erst viele Jahre später im Kibbuz in Israel seinen Namen in Uri ändert, hört, wie seine Großmutter eines Tages in Strümpfen aus dem Verschlag, in dem sie sich versteckt hat, von Deutschen herausgetrieben und im Hinterhof erschossen wird. Zu allem Unglück erkrankt auch noch die Mutter und ist gezwungen, ihre Lähmung im Hospital behandelt lassen. Eines nachts werden alle Patienten auf Lkws geladen und weggebracht. Diejenigen, die nicht transportfähig sind und nicht von den Ärzten schnell versteckt werden können, werden von deutschen Soldaten erschossen. Die Mutter der Kinder ist unter den Opfern.

Mit einem außerordentlich distanzierten Blick schreibt Uri Orlev über seine schrecklichen Erlebnisse in dieser Zeit. Ein großer Teil seines Romans beschäftigt sich auch mit dem Alltag zweier Kinder, die auf sich gestellt sind und nach dem Leben im Ghetto bei einer polnischen Familie versteckt werden. Die Jungs machen genau das, was alle anderen Kinder auch tun: Sie spielen zusammen mit ihren Soldaten, schlagen Schlachten mit Tarzan und streiten sich um Banalitäten. Der Unterschied liegt nur darin, daß sie gezwungen sind, ständig auf der Hut zu sein, um sich ihrer Haut zu retten. Die Zeit der Trauer kommt erst viel später.

Wie die beiden Bergen-Belsen überleben und es schaffen nach Israel auszuwandern, ist ein ergreifender Bericht. Uri Orlev erzählt ganz aus der kindlichen Perspektive, die genau beobachtet und registriert. Die Einordnung in den historischen Zusammenhang leistet der Leser.
(Quelle: http://www.wienerzeitung.at/themen_channel/literatur/buecher_aktuell/370620_Orlev-Die-Bleisoldaten.html)

Über den Autor:

Uri OrlevUri Orlev  ist ein polnisch-israelischer Autor von Kinder- und Jugendbüchern. Er ist einer der noch wenigen lebenden Holocaust-Zeitzeugen und gilt weltweit als einer der renommiertesten Kinder- und Jugendbuchautoren.

Er wurde 1931 als Jerzy Henryk Orłowski in Warschau als Sohn jüdischer Eltern geboren und verbrachte einen Teil seiner Kindheit Anfang der 1940er Jahre im Warschauer Ghetto. Sein Vater war Arzt und kam als Offizier der polnischen Armee in sowjetische Gefangenschaft, während seine Mutter, eine Chemikerin, von Deutschen erschossen wurde.

1943 wurde Orlev zusammen mit seinem Bruder und seiner Tante in das Konzentrationslager Bergen-Belsen deportiert. Nach der Befreiung durch die US-amerikanische Armee 1945 gelangten Orlev und sein Bruder als Waisen über eine Kinderhilfsorganisation erst nach Paris und anschließend im Frühherbst 1945 in das britische Mandatsgebiet Palästina, das spätere Israel.

Er lebte zwanzig Jahre lang in einem Kibbuz. 1976 schrieb Orlev erstmals für Kinder und Jugendliche und hat bis heute 31 Bücher veröffentlicht, die in 25 Sprachen übersetzt wurden. Seine Geschichten spielen meist in der Zeit des Nationalsozialismus und handeln davon, wie Jugendliche mit dessen Schrecken umgehen.

Seine bekanntesten Werke sind "Die Bleisoldaten" und "Lauf, Junge, lauf". Viele Geschichten haben autobiographische oder biographische Elemente. Daneben übersetzt er auch Bücher aus dem Polnischen ins Hebräische, u.a. von Janusz Korczak und Stanisław Lem.

Sein Buch "Die Insel in der Vogelstraße" wurde 1997 verfilmt, ebenso sein Buch "Der haarige Dienstag", das Søren Kragh-Jacobsen verfilmte. Für sein Gesamtwerk erhielt Orlev 1996 den Hans-Christian-Andersen-Preis. 1985, 1992 und 1996 wurde er mit dem Mildred L. Batchelder Award ausgezeichnet.

Die Übersetzerin:

Mirjam PresslerMirjam Pressler, geb. 1940 in Darmstadt, besuchte die Hochschule für Bildende Künste in Frankfurt und lebt heute als freie Autorin und Übersetzerin in Landshut. Sie veröffentlichte zahlreiche Kinder- und Jugendbücher, darunter die Romane "Bitterschokolade", "Novemberkatzen", "Wenn das Glück kommt, muss man ihm einen Stuhl hinstellen" (Deutscher Jugendliteraturpreis) "Malka Mai" (Deutscher Bücherpreis), "Die Zeit der schlafenden Hunde", "Wundertütentage", "Golem stiller Bruder" und zuletzt "Nathan und seine Kinder".

Mit "Ich sehne mich so. Die Lebensgeschichte der Anna Frank" schrieb sie eine eindrucksvolle Biographie von Anne Frank, deren Tagebuch sie neu übersetzt hat. Ihre Bücher wurden mit vielen Preisen ausgezeichnet, für ihre "Verdienste an der deutschen Sprache" wurde sie 2001 mit der Carl-Zuckmayer-Medaille geehrt, für ihr Gesamtwerk als Autorin und Übersetzerin erhielt sie den Deutschen Bücherpreis.

Unsere Empfehlung:

Warschauer GhettoWie viele der autobiografischen Werke von Uri Orlev ist auch dieses Buch aus der Sicht eines Kindes geschrieben. Ein großer Teil des Romans befasst sich mit dem Alltag zweier Kinder, die auf sich gestellt sind und nach dem Leben im Ghetto bei einer polnischen Familie versteckt werden.

Die Kinder spielen und streiten sich, wie Kinder dies heutzutage ja auch tun. Diese Normalität wird jedoch durch eine von den Nazis geschaffene menschenunwürdigen Umgebung überschattet. In diesem Setting regiert die Angst, es ist bedrohlich und lebensgefährlich.

In der Erzählung ist eine gewisse Distanz spürbar, wodurch die erschütternde Lektüre für viele Leser/innen überhaupt erst erträglich wird. Trotzdem ist die Geschichte vom Anfang bis zum Ende spannend erzählt. Es ist ein Buch, das man nicht mehr weglegen möchte.

Es enführt die Jugendlichen in eine Welt von Gleichaltrigen wodurch sie Geschichte ganz unmittelbar empfinden. Und es kann zum Nachdenken und zu weiterführenden Auseinandersetzungen mit den finsteren Kapiteln unserer europäischen Geschichte anregen. Eine Finsternis, die in ähnlicher Weise wieder über uns hereinbrechen könnte, wenn wir nicht auf der Hut sind und den Anfängen wehren, die gerade jetzt vielerorts ganz deutlich erkannbar sind!

Christin Adlaßnig und Martin Urbanek


Film: "Im Angesicht meines Feindes"
(über das Leben im Warschauer Ghetto)

USA 1997; Regie: Joan Micklin Silver; Darsteller Peter Friedman, Don McKellar, Chad Lowe ... (Vollversion; Dauer: 1:31:55)

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