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Meine afrikanischen Lieblingsmärchen

Nelson Mandela: Meine afrikanischen LieblingsmärchenAutorin: Nelson Mandela
Übersetzer: Matthias Wolf
Format: Taschenbuch
Seitenzahl: 192 Seiten
Verlag: dtv Verlagsgesellschaft
Auflage: 1 (2006)
Sprache: Deutsch
ISBN: 978-3423209243

Altersempfehlung: Ab 8 Jahren

 

 

 

 


Klappentext:

Wissen Sie, warum es einst der Giraffe für immer die Sprache verschlug? Der Elefant einen Rüssel trägt? Und wie es kam, dass die Katze zum Haustier wurde? Hinein in die Weite afrikanischer Steppen entführt der große alte Mann Südafrikas Nelson Mandela mit seinem Band ›Meine afrikanischen Lieblingsmärchen‹.

Mit farbenfroher und poetischer Sprache erzählen die aus verschiedenen Ländern zusammengetragenen Geschichten von der Schöpfung und der Kraft der Natur, vom Sieg der List selbst über den machtvollsten Gegner und von einer Zeit der Harmonie zwischen Mensch und Tier. Zusammen mit den phantasievollen Illustrationen südafrikanischer Künstler lädt dieser äußerst liebevoll aufgemachte Märchenschatz ein zu einer faszinierenden Reise durch den schwarzen Kontinent, durch ein Afrika voller Weisheit, Witz und Lebensmut, von dem auch wir noch einiges lernen können.

Über das Buch:

Nelson Mandelas Lieblingsmärchen, die er aus den verschiedenen Ländern Afrikas zusammengetragen hat, geben Einblick in eine exotische, oftmals mythische Welt. Die Geschichten erzählen von dem fliegenden Hasen Mmutla, von dem Jäger Mthiyane, der in eine Schlange mit sieben Köpfen verwandelt wird, und von dem lockenden Zaubergesang eines prächtigen Vogels, dem nur die Kinder widerstehen können.

Bei einigen Erzählungen handelt es sich um Schöpfungsmythen, in denen man erfährt, wie der Mond entstand, weshalb die Tiere Hörner und Schwänze bekamen und warum die Katze ein zahmes Haustier wurde.

Dieser reich illustrierte Märchenschatz spricht sowohl alte als auch junge Leser an und lädt zu einer faszinierenden Reise durch den afrikanischen Kontinent ein.

Über den Autor:

Nelson Mandela

Nelson Rolihlahla Mandela wurde 1918 in Mvezo (Transkei) geboren und verstarb am 5. Dezember 2013 in Johannesburg. Er war ein führender südafrikanischer Aktivist und Politiker im Jahrzehnte andauernden Widerstand gegen die Apartheid, sowie von 1994 bis 1999 der erste schwarze Präsident seines Landes.

Ab 1944 hatte er sich im African National Congress (ANC) engagiert. Aufgrund seiner Aktivitäten gegen die Apartheidspolitik in seiner Heimat musste Mandela von 1963 bis 1990 27 Jahre als politischer Gefangener in Haft verbringen.

Nelson Mandela: Gefängniszelle auf Robben IslandEbenso wie Mahatma Gandhi, Aung San Suu Kyi oder Martin Luther King gilt er als herausragender Vertreter im Freiheitskampf gegen Rassentrennung, Unterdrückung und soziale Ungerechtigkeit.

Mandela war der wichtigste Wegbereiter des versöhnlichen Übergangs von der Apartheid zu einem gleichheitsorientierten, demokratischen Staatswesen in Südafrika.

1993 erhielt er deshalb den Friedensnobelpreis. Bereits zu Lebzeiten wurde er für viele Menschen weltweit zum politischen und moralischen Vorbild.

Detailierte Biografie von Nelson Mandela auf WHO's WHO >>>

Vorwort von Nelson Mandela

«Wir meinen nicht wirklich, wir meinen nicht wirklich, dass das, was wir jetzt erzählen werden, auch wahr ist.»

Mit diesen Worten pflegen die Geschichtenerzähler der Ashanti ihre Erzählungen zu beginnen, und vielleicht eignen sie sich auch als Einleitung zur vorliegenden Anthologie, denn die meisten dieser Geschichten haben im Laufe der Jahrhunderte zahlreiche Wandlungen erfahren. Sie wurden ausgeschmückt und erweitert, und bisweilen sind sie von einem Volk oder einer ethnischen Gruppe auf eine andere übergegangen.

Nelson Mandela: Meine afrikanischen LieblingsmärchenEine Geschichte ist eine Geschichte, und deshalb kann man sie so erzählen, wie es der eigenen Phantasie, dem eigenen Wesen oder der jeweiligen Umwelt entspricht; und wenn die Geschichte Flügel bekommt und zum Eigentum anderer wird, dann sollte man sie auch nicht aufhalten. Eines Tages kehrt sie zu einem selbst zurück, bereichert durch neue Details und mit einer neuen Stimme.

Dieses besondere Merkmal der Volksmärchen kommt in den traditionellen Schlussworten des Ashanti-Erzählers zum Ausdruck: «Dies ist meine Geschichte, die ich erzählt habe, ob sie nun schön war oder nicht - mögen Teile fortgetragen werden und Teile davon zu mir zurückkehren.»

Die Sammlung enthält ein paar der beliebtesten Geschichten, Kostbarkeiten, die die unverfälschte Aura Afrikas verströmen, in vielen Fällen aber auch von universaler Bedeutung sind, nämlich dort, wo sie von Menschen, Tieren und dem Mystischen sprechen. Der Leser wird hier eine Vielfalt beliebter Motive aus afrikanischen Erzählungen wiederentdecken oder ihnen vielleicht auch zum allerersten Mal begegnen.

Da ist etwa die pfiffige Kreatur, der es gelingt, jeden zu überlisten, selbst sehr viel größere und stärkere Gegner: Hlakanyana bei den Zulu und Xhosa oder Sankhambi bei den Venda; der Hase, ein verschlagener kleiner Gauner; der listige Schakal, der meist in der Gestalt des Tricksters daherkommt; die Hyäne (die manchmal mit dem Wolf gleichgesetzt wird) in der Rolle des ewigen Verlierers; der Löwe als Herrscher, der die Tiere mit Geschenken bedenkt; die Schlange, die Furcht einflößt, zugleich aber auch ein Symbol der Heilkraft ist, oft in Verbindung mit der Kraft des Wassers; magischer Zauber, der Unheil oder Freiheit bringen kann; Menschen und Tiere, die andere Gestalt annehmen; schauerliche Kannibalen, die Erwachsene und Kinder gleichermaßen erschrecken.

Die Sammlung enthält aber auch einige neue Geschichten aus verschiedenen Teilen Südafrikas und des übrigen Kontinents, die diese alten Schätze ergänzen.

Möge die Stimme des Geschichtenerzählers in Afrika nie verstummen; mögen alle Kinder Afrikas das Wunder der Bücher erleben und nie ihre Fähigkeit verlieren, ihr Leben auf dieser Erde durch die Magie der Märchen zu bereichern.

"Der betörende Gesang des Zaubervogels" (Lesprobe):

Nelson Mandela: Meine afrikanischen LieblingsmärchenDiese ostafrikanische Geschichte über die Unschuld und die Kraft von Kindern wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Benaland,Tanganjika (heute zu Tansania gehörend) von Pastor Julius Oelke von der Berliner Kirchenmission aufgezeichnet.

Eines Tages kam ein seltsamer Vogel in ein kleines, zwischen Hügeln eingebettetes Dorf. Von diesem Augenblick an war nichts mehr sicher. Alles, was die Dorfbewohner auf den Feldern anpflanzten, verschwand über Nacht.

Jeden Morgen gab es weniger Schafe, Ziegen und Hühner. Selbst tagsüber, während die Leute auf dem Land arbeiteten, kam der Riesenvogel, brach ihre Lagerhäuser und Kornspeicher auf und stahl ihnen ihre Wintervorräte.

Die Dorfbewohner waren am Boden zerstört. Überall herrschte Not - allenthalben waren Klagelaute und Zähneknirschen zu hören. Niemand - nicht einmal der tapferste Held des Dorfs - konnte des Vogels habhaft werden.

Er war einfach zu schnell für die Menschen. Kaum, dass sie ihn einmal sahen: Sie hörten nur das Rauschen seiner mächtigen Schwingen, wenn er sich in der Krone der uralten Steineibe unter dichtem Laubwerk niederließ.

Der Dorfvorsteher riss sich die Haare aus vor Verzweiflung. Eines Tages, nachdem der Vogel auch ihm das Vieh und die Wintervorräte geplündert hatte, befahl er den älteren Männern, ihre Beile und Buschmesser zu schärfen und geschlossen gegen den Vogel vorzugehen. «Fällt den Baum - das ist das einzige, was hilft», sagte er.

Mit blank gewetzten Beilen und Buschmessern bewaffnet, näherten sich die älteren Männer dem Baum. Die ersten Schläge waren wuchtig und trafen den Stamm tief ins Mark.

Der Baum erzitterte, und aus dem dichten Laub seiner Krone tauchte der seltsame, geheimnisvolle Vogel auf. Ein honigsüßes Lied entströmte seiner Kehle. Es drang den Männern ins Herz und erzählte von fabelhaften, fernen Dingen, die nie wiederkehren würden. So betörend war der Klang, dass die Männer, einer nach dem anderen, ihre Beile und Buschmesser fallen ließen.

Sie sanken auf die Knie und starrten mit sehnsüchtigen, wehmutsvollen Blicken hinauf zu dem Vogel, der da in seiner ganzen farbenfrohen Pracht für sie sang. Den Männern wurden die Hände schwach. Ihre Herzen wurden weich.

Nein, dachten sie, ein so schöner Vogel könnte nie soviel Schaden und Zerstörung anrichten! ...

Wie die Geschichte weitergeht, erfährt ihr in der Lesprobe, die ihr auf bei dtv herunterladen könnt >>>

Unsere Empfehlung:

Viele der Geschichten in diesem wunderschön gestalteten Märchenbuch erinnern uns sehr stark an vertraute europäische Volksmärchen und Fabeln, wie sie zum Beispiel die Gebrüder Grimm zusammengetragen haben. Einige von ihnen sind Schöpfungsmythen.

Afrikanischen Märchen erzählen auch von bösen Tieren, Zauberern und Prinzenfiguren und entführen uns in eine faszinierende Welt der Magie und des mündlich überlieferten Glaubens an höhere Mächte und Wesen, die dem Menschen entweder Schaden zufügen oder ihn aus misslichen Lebenslagen befreien können. Viele Elemente beruhen auf Universalien der Märchenwelt, wie sie in verschiedenen Kulturen gleichermaßen vorkommen.

Viele Geschichten enthalten zwar moralischen Botschaften, wirken aber weitgehend befreit vom latenten Appell an Gehorsam und Tugend, dem stets "erhobenen Finger", wie er der europäischen Spätaufklärung zueigen ist. Das macht den besonderen Reiz der Erzählungen aus und verleiht den Märchen in Verbindung mit afrikanischen Motiven und Settings eine eigenartige Faszination, die wir auch den jüngeren Leser/innen nicht vorenthalten sollten.

Die zahlreichen farbenfrohen Illustrationen unterstützen ganz besonders Kinder beim Lesen und gewähren einen zusätzlichen Einblick in die atemberaubende Gedanken- und Erlebniswelt der vielfältigen Kulturen des afrikanischen Kontinents.

Wir empfehlen dieses Werk des bewundernswerten Politikers, Humanisten und Friedensnobelpreisträgers Nelson Mandela als Lese- und Vorlesebuch sowie als fächerübergreifende Klassenlektüre für Kinder bereits ab dem 8. Lebensjahr. Für Kinder im Grundschulalter sollte die Lektüre unserer Meinung nach von Erwachsenen begleitet werden, da die Märchen eventuell gelegentlicher Erläuterungen bedürfen.

Für ältere Kinder, Jugendliche und Erwachsene ist dieses Buch mit seinen kurzen Geschichten ein Lesespaß der ganz besonderen Art und eine erste unterhaltsame Auseinandersetzung mit afrikanischen Kulturen.

Christin Adlaßnig & Martin Urbanek


Buchtipp: "Meine afrikanischen Lieblingsmärchen"
von Nelson Mandela

Veröffentlicht am 23.11.2011; Dauer: 3:50


Nelson Mandela: "Meine Afrikanischen Lieblingsmärchen"
Lesung und Bühnenstück

Veröffentlicht am 03.05.2016 Dauer: 21:09

Erzählerin: Antje Horn; Percussion: Kay Kalytta; Percussion: Klaus Wegener


Nelson Mandela - Ein Leben für die Freiheit (Dokumentation)

Veröffentlicht am 20.12.2013; Dauer: 45:17

Erzählerin: Antje Horn; Percussion: Kay Kalytta; Percussion: Klaus Wegener

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