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Harry, die kleine Schildkröte: Der Aggelos

Katharina Hallmann: Harry, die kleine Schildkröte - Der AggelosAutorin: Katharina Hallmann
Illustratorin: Eva-Maria Vanek
Format: Taschenbuch
Seitenzahl: 68 Seiten
Verlag: tredition
Auflage: 1 (2017)
Sprache: Deutsch
ISBN: 978-3734550225

Altersempfehlung: 8 - 12 Jahre

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INTERVIEWS mit Katharina Hallmann:
* "Unsere kleine Bücherwelt"
Interview mit Katharina Hallmann

* "Flowers Büchertagebuch"
Interview mit Katharina Hallmann


Klappentext:

Eines Tages purzelt Harry, die kleine Schildkröte, vor die Füße der Henne Berta, die bis dahin sein Ei gewärmt hat. Harry gibt sich alle Mühe, es seiner Hühner-Mama recht zu machen und ein richtiges Huhn zu werden.

Aber es will ihm einfach nicht gelingen, auch wenn er das erste Schildkrötenhuhn auf der Welt ist. So verabschiedet er sich schweren Herzens von seinen Hühnergeschwistern und begibt sich auf Wanderschaft ...

In Carapaxi findet er nicht nur viele neue Schildkrötenfreunde, sondern erfährt auch von einem geheimnisvollen Schutzstein. Ein großes Abenteuer beginnt für Harry, die kleine Schildkröte.

Über die Autorin:

Katharina Hallmann (Autorin)Katharina Hallmann wurde 1980 in Hildesheim geboren und hat sich schon als Kind gerne Geschichten ausgedacht. Ihre Liebe zu Büchern hat sie bereits als Kind früh entdeckt, wobei sie damals nach Astrid Lindgren und Paul Maar eher Stephen King verschlang, welcher ihr so manch schlaflose Nacht bereitete.

Inzwischen lebt sie mit ihrem Mann und den zwei gemeinsamen Kindern in Kiel und absolviert dort an der International University of Applied Sciences den Studiengang "Soziale Arbeit".

Mit 9 Jahren begann sie, ihr erstes Buch zu schreiben. Später erheiterte sie mit selbsterfundenen Schildkröten-Comics ihre Mitschüler.

„Harry, die kleine Schildkröte: Der Aggelos“ ist das erste Buch ihrer Kinderbuchreihe und wurde im Januar 2017 veröffentlicht. Derzeit schreibt sie unter anderem an ihrem zweiten Buch rund um die kleine Schildkröte Harry.

Leseprobe:

Das erste Schildkrötenhuhn der Welt

Es war ein schrecklich lautes Geräusch, von dem Harry wach wurde. Er hatte in seinem Ei geschlafen - bis eben. Bis eben war es auch warm und gemütlich gewesen. Jetzt war es nur noch kalt!

Die kleine Schildkröte Harry ahnte noch nichts von seinem Schicksal. Er wusste nicht, dass sein Ei auf einer Wiese lag, einsam und alleine. Weit und breit lag kein anderes Ei. Und kein Tier das zu dem Ei gehörte war in der Nähe. Harry wunderte sich sehr, dass es auf ein Mal so kalt war! „Hoffentlich wird es bald wärmer“, sagte er sich, „sonst sehen meine Flossen bald aus wie Stieleis!“ Harry war tapfer und turnte in seinem Ei herum. Er machte Vorwärts- und Rückwärtssaltos ohne Ende. Durch die Bewegung wurde ihm wieder etwas wärmer. Doch es wurde ihm auch schwindlig davon. Deswegen musste er bald aufhören, sich zu drehen. Und schon war ihm wieder kalt.

Harry, die kleine Schildkröte: Der Aggelos (Katharina Hallmann)Die Henne Berta fand bei ihrem Abendspaziergang das Ei und beschloss, es zu bebrüten. Welch ein Glück für den kleinen Harry!

Harry spürte, wie sein Ei herumgerollt wurde. Dann wurde es auf einmal wunderbar warm und gemütlich, da die Henne sich auf das Ei gesetzt hatte. Das gefiel Harry schon viel besser, und er genoss die Zuwendungen der Henne sehr. Doch nach neun Tagen in seiner kuschligen Behausung wurde ihm auf einmal schrecklich langweilig. Außerdem war es inzwischen ziemlich eng um ihn herum geworden. Er wollte hinaus und die Welt erkunden. So begann er ein kleines Loch in das Ei zu beißen. Das war furchtbar anstrengend, aber er wollte unbedingt noch am selben Tag in die Welt hinausschlüpfen.

Geschafft! Doch was war das? Ein fürchterlicher Gestank drang durch das kleine Loch zu Harry herein. Er linste mit einem Auge durch das Loch. Vielleicht konnte er so etwas erkennen? Ein Auge blickte ihm entgegen.

„Bäh was ist denn das für eine Müffelei“ schrie er dem Auge entgegen. „Hey du da! Hilf mir doch mal hier raus!“

Die Henne Berta, deren Auge er gesehen hatte, war jedoch der Meinung, dass Harry es allein schaffen musste. Harry hatte es nun mächtig eilig. Ihm war schon ganz schlecht von dem Gestank. Da es ihm gar nicht schnell genug gehen konnte, fing er an das Ei von innen zu boxen. Wie ein Weltmeister bearbeitete und schlug er das Ei kaputt. Anschließend war Harry fix und fertig von der großen Anstrengung. Müde blickte er sich um und schaute direkt in zwei runde Augen, die ihn mit starrem Blick ansahen.

„Hallo“, begrüßte ihn Berta.
„Wer bist du?“, fragte Harry neugierig.
„Ich bin ein Huhn. Mein Name ist Berta. Ich habe dein Ei auf der Wiese da hinten gefunden und bebrütet. Du bist keiner von uns, aber du kannst hier bei uns wohnen.“

Dabei zeigte Berta mit dem rechten Flügel auf eine Wiese, auf der ein paar Apfelbäume standen. Harry überlegte kurz, ob er das Angebot annehmen sollte, denn er mochte den Hühnergestank nicht. Doch wo sollte er sonst hingehen? Daher entschied er sich, bei den Hühnern zu wohnen.

„Okay“, antwortete Harry. „Aber ich würde erst mal gerne baden, Hühner-Mama. Gibt es hier einen Teich oder etwas anderes, worin ich schwimmen kann? Du solltest dich übrigens auch mal waschen!“, sagte er und hielt sich sein linkes Vorderbein vor die Nase.
„Baden?! Wasser?!“, entgegnete sie entsetzt. „Hier wohnen nur Hühner und wir Hühner baden nicht in Wasser! Nimm ein Staubbad!“

Etwas enttäuscht lief Harry hinter der Hühner-Mama Berta her. Doch schon bald siegte seine Neugierde. Berta zeigte ihm sogleich, wie er ein Staubbad nehmen sollte. Sie ging zu einem trockenen Erdloch, legte sich hinein und wälzte sich zu allen Seiten.

Harry tat es ihr nach. Doch er fühlte sich nur noch schmutziger und nun stank er obendrein ganz schrecklich nach Huhn! Zum Glück hatte die Henne Berta zur selben Zeit noch andere Eier bebrütet. Und so hatte Harry neun Halbgeschwister. Mit denen hatte er sehr viel Spaß und sie spielten den ganzen Tag lang. Dadurch wurde es ihm nur selten langweilig.

Sie spielten Fangen, Verstecken, nahmen Staubbäder und tranken Wasser aus Schälchen. Er verstand sich gut mit seinen Halbgeschwistern. Sie waren sehr nett zu ihm. Wenn niemand hinsah, legte sich Harry auch mal heimlich in eine Wasserschale. Dort wusch er sich den ganzen Staub, Schmutz und Hühnergestank ab. Das fühlte sich gut an. Doch Harry war auch oft traurig, dass er nicht im Wasser baden durfte, wann immer er wollte.

Einmal erwischte ihn seine Hühner-Mama beim Baden in der Trinkschale. Da gab es ziemlichen Ärger.

„Harry! Wir Hühner baden nicht im Wasser! Wasch die Schale sauber und befülle sie neu, damit wir wieder daraus trinken können.“ Sie war ziemlich sauer auf Harry und verstand nicht, warum er so gerne in Wasser badete. Harry hingegen mochte den Gestank, der sie alle umgab überhaupt nicht.
„Die sollten sich gefälligst auch mal baden.“

Plötzlich hatte Harry eine tolle Idee. In der Nacht blieb er wach, bis alle schliefen. Dann schlich er vor das Hühnerhaus und begann dort ein Loch zu buddeln. Das Loch musste so breit und so tief sein, dass alle Hühner dort hineinpassten. Damit hatte er ziemlich viel Arbeit. Erst kurz bevor die Sonne wieder aufging, war er damit fertig. Dann füllte er, so schnell es ging, Wasser in das Loch. Nachdem er noch eine Runde gebadet hatte, ließ er sich im Hühnerhaus ins Stroh fallen und schlief sofort tief und fest ein.

Auf einmal wurde er von lautem Gegacker und Geschrei geweckt. „Hiiilfe! Hiiiilfe! Iiiiih, ist das nass!“, hörte er Berta rufen. Und auch Harrys Halbgeschwister waren in der selbst gebauter Badewanne gelandet und planschten unfreiwillig darin.

Harry hatte den Rand des Lochs mit Schneckenschleim bestrichen. Jedes Mal wenn ein Huhn versuchte, aus der Wanne zu steigen, rutschte es ab und landete platsch wieder im Wasser.

Unsere Empfehlung:

Harry, die kleine Schildkröte: Der Aggelos (Katharina Hallmann)Das Buch erzählt die Abenteuer einer kleine Schildkröte die versucht, es seiner Ziehmutter, einer Henne, recht zu machen und ein richtiges Huhn zu werden. Aber Schildkröten und Hühner sind nun mal verschieden, so wie es auch bei uns Menschen Unterschiede gibt. Irgend etwas fehlt der Schildkröte, sie sucht nach ihrem Glück und so zieht sie weiter.

Die Geschichte erinnert sehr stark an Menschen, die irgendwo zwischen den Kulturen und Identitäten auf der Suche nach einer Heimat sind, mit der sie sich in hohem Maß identifizieren können. Hier wird ein Thema angeschnitten, das gerade in Zeiten, da Migration und Flucht ein weltweites Phänomen sind, viele Menschen berührt.

Das Buch ist leicht verständlich, sehr witzig und spannend geschrieben. Es eignet sich daher sehr gut zum Vorlesen und zum Selberlesen.

Martin Urbanek

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