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Wenn ich dich nicht erfunden hätte

Julia Dibbern: Wenn ich dich nicht erfunden hätteAutorin: Julia Dibbern
Format: Taschenbuch
Seitenzahl: 354 Seiten
Verlag: ink rebels
Auflage: 1 (2017)
Sprache: Deutsch
ISBN: 978-3958692794

Altersempfehlung: 12 - 15 Jahre

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Julia Dibbern: Autorin und Journalistin

 

 


Klappentext:

"Alles davor ließ sich irgendwie noch logisch erklären - aber das hier?! Konnte man wirklich einen Menschen … erschaffen? Einfach dadurch, dass man sich ihn ausdachte? Und der lief dann quicklebendig durch die Gegend?" ...

Endlich achtzehn!

Leo ist aufgeregt, aber bester Dinge, als sie fürs Studium allein nach Hamburg zieht. Doch die Unabhängigkeit stellt sich als gar nicht so einfach heraus, denn plötzlich muss Leo mit einem Biotop im Badezimmer und dem vermeintlichen Hammermörder als Nachbarn klarkommen. Und dann trifft sie auch noch auf Loris, was nur halb so kompliziert wäre, hätte sie nicht das Gefühl, ihn längst in- und auswendig zu kennen: aus den Geschichten, die sie schreibt, seit sie einen Stift halten kann.

Doch wie ist das zu erklären? Kann es Seelenverwandtschaft wirklich geben?
Und … wie soll sie mit den Seiten von Loris umgehen, die sie nicht erfunden hat - den dunklen Seiten?

Die Autorin Julia Dibbern über sich selbst:

Julia Dibbern (Autorin, Journlistin)Wenn ich gefragt werde, was ich beruflich so mache, sage ich: „Ich schreibe.“ Das tue ich, seit ich einen Stift halten kann.

Mein erstes Werk war eine Bedienungsanleitung für den neuen Staubsauger: „Bei 100 Grad ist er am stärksten.“

Mit acht oder neun kam dann die erste nie vollendete Geschichte über Elfen, inspiriert durch die wunderschönsten Elfen-Lackbilder, die eine Achtjährige je gesehen hat. (Weiß heute noch jemand, was Lackbilder sind? Und wie sie rochen?).

Einen sehr niedlichen Kurzkrimi aus dem Paris der 1980er Jahre, den ich mit 14 geschrieben habe, habe ich wiedergefunden.

Die Geschichten aus der John-le-Carré- und der Wolfgang-Borchert-Phase sind leider nie wieder aufgetaucht.

Heute bin ich Autorin, ausgebildete Fachjournalistin und Nachhaltigkeitsjournalistin. Ab und zu übersetze ich auch Artikel oder Bücher.

In meinem letzten Leben habe ich in Braunschweig Architektur studiert, bin also auch Dipl.-Ing. (TU).

Meine Interessen sind - mit wechselndem Schwerpunkt:

  • Nachhaltigkeit
  • Familie & Bildung

Ein kurzer Abriss über die wichtigsten Punkte aus meinem Leben:

  • 2004 Veröffentlichung erste Auflage Geborgene Babys (heute bei Tologo)
  • 2004 Übersetzung TopfFit!
  • 2004-12 Leitung des Anahita-Verlags
  • 2012 Minibuch Kleine Lügner, kleine Diebe
  • 2013 Gründung der artgerecht GbR mit meiner lieben Kollegin Nicola
  • 2013 Minibuch Grundgesund
  • 2014 Buch Geborgenheit (Beltz)
  • 2014 Buch Verwöhn dein Baby nach Herzenslust (Beltz)
  • 2016 Buch Slow Family (Beltz), zusammen mit Nicola Schmidt

Meine Familie und ich leben immer mal in Kalifornien, sonst vor den Toren Hamburgs, aber manchmal auch anderswo in der Welt.

(Quelle: https://www.juliadibbern.de/vita)

Leseprobe:

Julia Dibbern: Wenn ich dich nicht erfunden hätte»Du hast hier nicht wirklich für ein halbes Jahr unterschrieben, oder?«

Leo warf aus dem Augenwinkel einen Blick auf das Loch in der Glasscheibe der Eingangstür, von dem strahlenförmig Risse abgingen, die jemand mit Panzertape abgeklebt hatte. Ihre beste Freundin Miriam sah derweil unverhohlen zwischen dem Müll auf dem Hausflurboden und dem Penis-Grafflti an der Wand hin und her.

»Ein halbes Jahr mit einem stinkenden Aufzug wird mich nicht umbringen. Hilfst du mir, die Koffer hochzuholen?«

Miri ließ nicht locker. »Und mit diesen hübschen Spritzen da in der Ecke. Den Hammermörder in der Nachbarwohnung nicht zu vergessen.«

Julia Dibbern: Wenn ich dich nicht erfunden hätte (Hammermörder)»Der wird mich schon nicht zerhämmern.« Ungewollt stieg Lachen in Leo auf.

Die Vorstellung vom Hammermörder, der irren Blickes durch ihre Wand brach, war so absurd, dass sie einfach lachen musste. Miriam sah sie an, als hätte sie den Verstand im Auto gelassen, konnte sich aber kurz darauf auch nicht länger beherrschen und prustete los. Leo lachte, bis sie keine Luft mehr bekam, und es war ihr vollkommen egal, ob das Lachen belustigt oder verzweifelt war.

»Die haben Altbau wörtlich genommen!« »Neu ist der Kasten garantiert nicht.«

Immer noch japsend, kamen sie beim Auto an und luden Leos großen Rollkoffer, die Tasche sowie Miriams Rucksack aus.  Das musste alles mit in Leos neue Miniwohnung im siebten Stock dieses abgeranzten Plattenbaus. Mit leisem Protestquietschen öffnete sich kurz darauf die Fahrstuhltür. Die Kabine sackte ein wenig nach unten, als Leo den fetten Koffer hineinschob.

Es roch nach altem Zigarettenqualm und irgendetwas Säuerlichem, über das Leo nicht näher nachdenken wollte. Miriam kam hinterher, und trotz ihres Fliegengewichts ruckte der Boden noch einmal.

Mit gekräuselter Nase sagte Miriam: »Ich habe gehört, es gibt zweiundvierzig Infektionskrankheiten. Stoß hier bloß nirgendwo an«, und Leo musste schon wieder lachen.

»Sagrotan«, quiekte sie. »Wir müssen nachher Sagrotan kaufen.« Schaukelnd setzte sich der Aufzug in Bewegung.

»Nicht anstoßen!«, wiederholte Miriam in dem engen, fensterlosen Flur.

Erhellt wurde er durch Leuchtstoffröhren, von denen nur jede dritte funktionierte. Leos Sneakers quietschten auf dem PVC-Boden. Sie konnte kaum noch gerade gehen vor Lachen, und der dicke Rollkoffer erschwerte die Sache zusätzlich. Die Lampe vor ihrer Tür flackerte und gab einen komischen Summton von sich. In der Wohnung ließ sich Leo auf das Sofa fallen.

»Au!« Bequem war definitiv etwas anderes. »Das ist total durchgesessen.« »Aber die Tagesdecke ist hübsch.« Sehr vorsichtig nahm Miriam neben Leo Platz.

Nachdem sie beide wieder zu Atem gekommen waren, fragte Miri: »Und jetzt?« »Jetzt werde ich das Bad einweihen, und -« ...

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Unsere Empfehlung:

Julia Dibbern: Wenn ich dich nicht erfunden hätteLeo ist erwachsen geworden und zieht nach Hamburg in eine heruntergekommene Gegend. Wie viele junge Menschen in diesem Alter will sie ein unabhängiges Leben beginnen und bezieht eine desolate Wohnung, in der sie es nicht lange aushält. Eines Tages trifft sie auf einen geheimnisvollen Mann, der ihr ein Zimmer in einer leeren Wohnung anbietet.

Und dann passiert das Unfassbare: Leo verliebt sich in Boris, muss aber bald erkennen, dass dieser der Protagonist aus ihren eigenen Geschichten ist. Sie hatte ihn bereits längst selbst erfunden. Das von ihr erfundene Geschöpf lässt ungeahnte Seiten seines Charakters erkennen und zieht die junge Frau in finstere Abgründe hinab.

"Wenn ich dich nicht erfunden hätte" ist eine durchaus realistisch gehaltene Erzählung von Julia Dibbern. Der Leser hat schon sehr bald eine Ahnung, dass die Geschichte eine böse Wendung nehmen kann. Dadurch gewinnt das Buch eine Spannung, die ihn bis zur letzten Seite begleitet.

Der erfahrenen Autorin und Journalistin Julia Dibbern ist eine sehr mitreißende Geschichte mit authentisch wirkenden Charakteren aus dem Lebensumfeld von jungen Menschen bei ihren ersten Schritten in die Unabhängigkeit gelungen.

Ist Boris ein Teil ihrer eigenen Seele, deren Schattenseiten sie nun erleben muss? Manches bleibt offen. Aber gerade dadurch gewinnt die Geschichte und wird die Fantasie der Leser/innen nachhaltig beschäftigen.

Martin Urbanek


Jennifer Benkau stellt die InkRebels vor (Video)

Veröffentlicht am 21.02.2017 Dauer: 10:51

Fünf Autorinnen, die bisher in Verlagen veröffentlicht haben, bringen unter dem Autorenlabel "InkRebels" besondere Bücher heraus: Jennifer Benkau, Julia Dibbern, Franziska Fischer, Kira Minttu und Daniela Ohms.

Jennifer Benkau erzählt, wie die Idee entstand und stellt die ersten Bücher vor.

Julia Dibbern: Ink Rebels

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