Fördern digitale Bücher die Lesekompetenz?

Fördern eBooks die Lesekompetenz?

Etwa die Hälfte aller Kinder behauptet, in der Freizeit gerne zu lesen. Trotzdem steigt der Anteil der absoluten Leseverweigerer kontinuierlich an. Die Lesekompetenz unter Kindern und Jugendlichen leidet darunter.

Dieser Trend ist beunruhigend, da Lesekompetenz maßgeblich für den Lernerfolg in der Schule ist. Könnte es mit eBooks gelingen, wieder mehr Kinder für das Lesen zu begeistern?


Umfrage zum Thema eBooksZum Tema "Fördern digitale Bücher die Lesekompetenzen?" haben wir eine Umfrage gestartet. Wenn du mitmachst erfährst du gleich, wie andere abgestimmt haben!


Digitale Medien erleichtern den Zugang zu einer
großen Auswahl an Lesestoff

Ebook lesen
Kinder wachsen heute meist in Haushalten auf, die mit PCs, Smartphones, Tablets, E-Readern und anderen digitalen Geräten zur Wiedergabe von Texten und einer Vielzahl von anderen Medien ausgestattet sind. Die derzeit heranwachsende Generation an Schüler/innen wird deshalb auch als "digital natives" bezeichnet. Sie wächst ganz selbstverständlich und ohne dafür größere Einstiegsbarrieren überwinden zu müssen in die Welt der digitalen Nutzung von Information und Unterhaltung hinein.

Gleichzeitig liegen heute gedruckte Bücher in einer bislang nie bekannten Auswahl vor und sind zudem auch noch leichter erschwinglich als zur Zeit unserer Eltern und Großeltern. Oft kann man sie um wenige Euro beim Warten an der Supermarktkassa so ganz nebenbei mitnehmen, wie Knabbergebäck oder Kaugummi.

Die pro Stück -Erlöse für Autor/innen und Produzent/innen liegen meist jenseits der Wahrnehmungsgrenze. Druckereien in Billiglohnregionen sorgen zusätzlich dafür, dass die Massenware an gedruckten Büchern dem Endverbraucher fast nichts mehr kosten.
Kinderbücher und Jugendliteratur werden produziert, vermarktet und diskutiert, wie nie zuvor. In Druckform verstauben sie dann aber oft in den Regalen und nehmen, da ungenutzt, unnötig viel Platz ein. Das Raumproblem stellt sich auch beim Schleppen der schweren Schultaschen und Rucksäcke auf dem Schulweg. Ein Großteil des Gewichts ist immer noch auf gedruckte Schulbücher zurückzuführen.

EBooks sind handlicher und kostengünstiger

Ebook readerHier wird bereits ein ganz wesentlicher Vorteil von digitalen Büchern und Medien ersichtlich. Ganze Bibliotheken lassen sich auf handlichen Endgeräten verstauen, die man in der Seitentasche einer Jacke überallhin mitnehmen kann. Produktion, Vertrieb und Aufbewahrung von digitalen Inhalten ist einfacher und kostengünstiger als jener von Printprodukten. Die Gewinne für Autoren und Verleger sind deutlich höher, als bei gedruckten Büchern. Die Medien können dann auch vom Benutzer ohne große Kosten und Aufwand vervielfältigt und versendet werden.

Angesichts all dieser Vorteile stehen Erziehungswissenchaftler, Medienexperten und Verleger immer wieder vor der Frage, ob Kinder in Zukunft überhaupt noch gedruckte Lese- und Schulbücher in die Hand nehmen werden. Dazu werden immer wieder Studien in Auftrag gegeben. Diese führen oft je nach Region, Zielgruppe und Zeitpunkt der Erhebung zu ziemlich unterschiedlichen Ergebnissen. Hier ist auch zu bedenken, dass Technologie und Konsumentenverhalten einem sehr raschen Wandel unterliegen.

Althergebrachte Lesegewohnheiten und
Akzeptanz von digitalen Büchern

Vom Standpunkt der Leserziehung ist natürlich die Wirkung von digitalen Inhalten auf die Lesekompetenz der Schüler/innen von ganz zentralem Interesse. Inwieweit können Motivation und Leseleistung durch den Einsatz bestimmter Medien gefördert bzw. sogar eingeschränkt werden?

Obwohl die Akzeptanz von eBooks, vor allem bei Kinder und Jugendlichen kontinuierlich steigt, lag ihr Anteil am mitteleuropäischen Büchermarkt im Jahre 2013 immer noch bei weniger als 5 Prozent (in den USA waren es bereits mehr als 20 Prozent). Anhand dieser Schätzungen für den Freizeitbereich werden bereits starke regionale Unterschiede im Leseverhalten und in der Nutzung von digitalen Medien erkennbar.

Altes Buch und ebook auf CDBei der Akzeptanz von neuen Medien spielen immer noch bisherige und anerzogene Lesegewohnheiten eine große Rolle. Gerade diese Nutzergewohnheiten wurden in den meisten Fällen anhand von gedruckten Büchern erworben. Daher wundert es nicht, dass haptische Erfahrungen, wie das Umblättern von Buchseiten oder das Scrollen auf dem Bildschirm nicht selten für die Auswahl der Medien entscheidend sind. Dies haben zumindest repräsentative Untersuchungen mit Studenten durch die Leseforscherin Anne Mangen an der norwegischen Universität Stavanger ergeben. (1)

Untersuchungen aus den USA zeigen, dass die zahlreichen Funktionen der Software z.B. bei Bookreadern von den Inhalten ablenken kann. Die vielen Extras benötigen offenbar mehr Aufmerksamkeit als das Blättern durch einen Stapel an gebundenem Papier und verleiten zu oberflächlichem Lesen. Haptik (das Angreifen können) und anerzogene emotionale Zugänge zu Gedrucktem auf Papier erschweren die Umstellung auf digitale Medien und die Nutzung der ungeheuren Potenziale durch die Entwickler und Produzenten.

Einige Beobachtungen aus bisherigen
Studien auf den Punkt gebracht

Gedruckte Bücher werden bevorzugt, wenn es um Lesegenuss bzw. um "wichtige" Inhalte geht. Wenn diese nur in digitaler Form zugänglich sind, werden sie sogar noch extra ausgedruckt. Ein digitales Buch erscheint vielen Benutzern als "wenig wertvoll". Sie haben nicht das Gefühl, das Buch zu besitzen und haben wenig emotionale Beziehung zum virtuellen Produkt, selbst wenn sie es gekauft haben. (2)

Dazu kommen auch noch praktische Probleme: Wer kennt solchen Ärger nicht? Man hat ein digitales Produkt gekauft, aber die Dateien lassen sich auf dem eigenen Gerät nicht öffnen. Man ist wütend, ungeduldig und verzweifelt. Dies umso mehr, wenn man zu allem Überdruss auch noch unter Zeitdruck steht oder sich schon auf einen interessanten Leseabend gefreut hat.

Während ein Bücherregal einem angelernten, intuitiven Ordnungssystem gehorcht, muss nun eine Menge an Dateien verwaltet werden. Manche Leser drucken dann sogar ein Titelblatt aus und schlichten diese Zettel dann wie bisher gewohnt in ihr Bücherregal.

Kinderbuch als Ebook (Flipbook)Kurz und gut: Es bedarf auch einer neuen Generation an Lesern, damit das große Angebot der digitalen Darstellung von Content mit all ihren Funktionen und Interaktionen sich auch in den Verkaufsstatistiken bemerkbar macht. Personen bis zu einem Lebensalter von etwa 30 Jahren sind hier aufnahmebereiter für Innovationen. Sie sind bereits mit elektronischen Medien aufgewachsen und haben (gerade deshalb?) zum Teil bereits einen andern Zugang zu erworbenen Produkten. Man teilt (sharing), "streamt" und nutzt die Dinge genau dann und dort, wo man sie benötigt, ohne sie nun physisch besitzen oder sogar sammeln oder in Regale schlichten zu wollen.

Forscher und Entwickler, die an der Verbesserung von Lesegeräten und Software arbeiten stehen daher vor der schwierigen Entscheidung, altgewohntes Leseverhalten (z.B. Umblättern, feste Seiten, Geräusche) ohne viele Zusatzfunktionen auch auf dem Bildschirm zu imitieren oder auf die Flexibilität zukünftiger Benutzer zu setzen.

In den digitalen Medien schlummern viele Möglichkeiten, die dann allerdings vom Benutzer einen völlig anderen Umgang als mit herkömmlichen Büchern verlangen würden. Ein Nachahmen des Altgewohnten wird wohl nicht der richtige Weg sein, wenn man neue Generationen von eBooks, die ja eigentlich bereits über die Features einer hochentwickelten Lern- und Lesesoftware verfügen, erfolgreich unter die Leute bringen möchte.

Grundschulkinder, Sehbeeinträchtigte und
Senioren profitieren von digitalen Lesemedien

Insgesamt betrachtet ist also der Nutzen von digitalen Büchern bei der besseren Rezeption von gelesenen Texten aus den oben genannten Gründen in Expertenkreisen noch sehr umstritten. Weitgehende Einigkeit besteht jedoch, wenn es um die Förderung bestimmter Personengruppen geht, denen das Lesen bzw. das Verständnis von Lesetexten schwer fällt. Hier können Bildschirmgeräte, Medien und Software mit all ihren unterstützenden Features äußerst hilfreich sein. 

Herkömmliche eBooks bieten bereits die Möglichkeit, die Schriftgröße und die Textmenge pro Bildschirmseite an die eigenen Bedürfnisse und Lesekompetenzen anzupassen. Bei Enhanced eBooks oder Apps sind die reinen Texte auch noch mit Bildern, Geräuschen, Animationen und interaktiven Elementen angereichert. Die Inhalte werden dadurch veranschaulicht und unmittelbar erfahrbar.

Vorteile für leseschwache und legasthene Kinder

Davon profitieren insbesondere die schwächeren Leser/innen unter den Kindern, deren Textverständnis ganz wesentlich erleichtert wird. Bei Kindern wird sehr oft beobachtet, dass sie ein Buch weglegen, nur weil ihnen die Schrift zu klein erscheint und eine kleine Schrift für sie wie eine unüberwindbare Barriere erscheint.

Für legasthene Kinder können auf manchen Lesegeräten spezielle Schriften (z. B. OpenDyslexic, Lexia Readable oder AndikaBasic) installiert werden, um die Schriftzeichen und Wörter besser erkennen zu können. Zu diesen Readern zählen die Geräte von Kobo und PocketBook. (3)

Die Schriftart "Open Dyslexic" für legasthenische Kinder kannst du hier kostenlos herunterladen:

Untersuchungen an legasthenen Schüler/innen deuten darauf hin, dass deren Lesegeschwindigkeit und Textverständnis durch den Einsatz von Lesegeräten deutlich verbessert werden kann. Bei Kindern mit Problemen beim Entziffern von Phonemen (Lautklassen) und Schüler/innen, die sich beim Lesen von geläufigen Wörtern („sight words“) schwer tun, konnte die Lesegeschwindikeit deutlich erhöht werden. Das Textverständnis verbesserte sich vor allem bei Kindern mit Schwierigkeiten beim Interpretieren von Zeichen- und Wortabständen. (4)

Was sollte ein eBook-Reader für Schulkinder unbedingt bieten?

Ebook ReaderDiese Frage stellt sich spätestens, wenn man im Elektronik-Supermarkt vor einer Vielzahl von Geräten zu unterschiedlichen Preisen steht und mit einer Fülle von technischen Daten konfrontiert ist.

Wenn man bei Kindern und Jugendlichen Lesefreude und Lesekompetenz fördern möchte, dann sollte man unbedingt auf folgende Eigenschaften achten:

•             einfache Bedienbarkeit
•             veränderbare Schriftgrößen und Schriftarten
•             integrierte Leselampe
•             Kennzeichnungs- und Markierungsfunktionen
•             gute Lesbarkeit durch starke Kontraste
•             robustes Gehäuse mit Schutzhülle
•             geringes Gewicht
•             lange Akku-Laufzeit

Enhanced eBooks - ein Blick in die Zukunft

Mit Desktop-Computern, Smartphones und Tablets sind Endgeräte in unsere Haushalte eingezogen, die multimediale Inhalte sehr gut darstellen können. Beim Darstellen von Bildern, Animationen, Videos, Audiodateien und Games denkt man in erster Linie an Programme bzw. „Apps“. 

Zudem gibt es bereits seit vielen Jahren eine Fülle an Möglichkeiten, Texte mit Fotos, Videos, Audio u.a. zu ergänzen. Im eLearning wurden dazu vor allem Spiel- und Lern-CDs für Kinder eingesetzt. Der Markt war begrenzt, da man derartige CDs nur auf relativ unhandlichen Desktop-Computern und Laptops verwenden konnte. Aufgrund der rasch wachsenden Verbreitung von mobilen Tablets scheint sich nun eine neue Produktform immer mehr durchzusetzen: das „Enhanced eBook“.

EBooks orientieren sich noch an den traditionellen Büchern: Es sind Bücher, aber bereits viel mehr als diese, nämlich aufgrund der multimedialen Inhalte. Enhanced eBooks stellen eine neue Gattung dar, die als Apps, aber auch z.B. mit Hilfe von iBooks Author als „Bücher“ auf den Markt kommen. IBooks Author ist leider nur für Apple-Geräte geeignet. Etwas weniger leistungsfähige Alternativen für andere Betriebssysteme gibt es aber bereits.

Enhanced eBook mit VideoplayerEnhanced eBooks können in vielen Fällen Wissen besser vermitteln als herkömmliche Bücher und eBooks. Der Vorteil liegt in den vielen Möglichkeiten zum Einbetteten von Medien und zum Verknüpfen des eBooks mit externen Mediendateien.

Gut gemachte Enhanced eBooks orientieren sich an modernen Erkenntnissen über Didaktik und bieten dem Lernenden eine reichliche Auswahl an Texten mit unterstützenden Bildern, Videos, akustischen Inhalten sowie interaktiven Tests und Prüfungen.

Dabei können die Lernenden je nach Lerntyp ihre Lese- und Lernprozesse persönlich gestalten. Die Festigung des erworbenen Wissens kann durch eine individuell konfigurierbare Selbstkontrolle in Form von kurzweiligen Spielen und Testprogrammen erfolgen.

Die Verbreitung von qualitätsvollen Enhanced eBooks ist ein Segen für die Schüler/innen, verlangt aber von den Verlagen und Produzenten ein hohes Maß an Neuorientierung. Jetzt stehen nicht mehr ein Autor und seine Texte allein im Vordergrund, sondern eine Vielzahl von wesentlich arbeitsaufwändigeren Medienprodukten. Letztere können meist nur in einem Team aus unterschiedlichen Spezialisten entwickelt werden. Die Arbeit ähnelt der eines Regisseurs, der ein Storyboard erstellt und dann die einzelnen Teile im Team entwickeln lässt.

Ebook ReaderSpeziell für den Unterricht an Schulen sind in letzter Zeit eBooks herausgekommen, in welche Schüler/innen und Lehrer/innen eigene Medien hochladen und Links einfügen können. Diese Quellen können dann bestimmten Unterrichtseinheiten zugeordnet werden. Spezielle Markier- und Abdeckfunktionen ergänzen das gewohnte Spektrum an Bedienelementen in eBooks.

Diese Dienste können allerdings nur online genutzt werden. Die Medien stehen zum Abruf bereit, können aber noch nicht vom Benutzer selbst in den Inhalt eingefügt werden. Ein Beispiel für eine derartige Produktserie findest du zum Beispiel unter dem Markennamen "Scook".

Über die zukünftige Akzeptanz und Verbreitung dieser völlig neuen Hybridform aus Software und klassischem Buch können kaum noch seriöse Prognosen gestellt werden. Eine begleitende Evaluation der lern- und lesefördernden Wirkungen derartiger Produkte wäre gewiss wünschenswert. Nur dadurch kann gewährleitet werden, dass ihre lernfördernde Wirkung ständig verbessert und überprüft wird. (5)


Bitcom-Studie 2013: 60 Prozent der Deutschen lehnen eBooks ab

Im Gegensatz zu den USA ist die Akzeptanz von eBooks unter den europäischen Lesern trotz eines rasch anwachsenden Marktanteils relativ gering. Im Jahre 2013 wurde von BITCOM eine repräsentaive Studie zum Leseverhalten der Deutschen veröffentlicht. (6)

Hier einge der wichtigsten Ergebnisse:

Drei Viertel aller Befragten lesen Bücher, 21 Prozent lesen eBooks.

Männer und Frauen unterscheiden sich dabei nicht, die meisten eBook-Nutzer sind zwischen 30 und 49.

eBook-Skeptiker mögen vor allem die Haptik von Papier (48%). Zudem meinen sie, dass ihnen eReader-Preise zu hoch sind (47%) und dass sie nicht auf einem Bildschirm lesen wollen (43%).

„Viele unterschiedliche Formate“ sehen sie hingegen nicht als Problem (12%). Die über 65-Jährigen jedoch stört vor allem, dass der eBook-Kauf Internet-Zugang erfordert.
(zit. Matthias Mattig, 2013)

Gründe für die Verwendung von eBooks (n=539):

EBooks Kaufentscheidungen

Die am häufigsten verwendeten Funktionen von eBooks (n=539):

EBooks - benutzte Funktionen


(1) Zu den Arbeiten von Anne Hagen vgl. https://stavanger.academia.edu/AnneMangen

(2) Ferris Jabr (2013): The Reading Brain in the Digital Age: Why Paper Still Beats Screens. Scientific American.
http://www.scientificamerican.com/article/the-reading-brain-in-the-digital-age-why-paper-still-beats-screens

(3) ABCund123 (2015): Welcher eBook-Reader für mein Kind?
http://www.abcund123.de/welcher-ebook-reader-fuer-mein-kind

(4) Matthew H. Schneps  et al. (2013): E-Readers Are More Effective than Paper for Some with Dyslexia. PLOS/one 
http://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371/journal.pone.0075634

(5) Harald Henzler (2012): Enhanced eBooks - eine neue Gattung? Smartdigits.
http://www.smart-digits.com/2012/03/enhanced-ebook-eine-neue-gattung

(6) Matthias Mattig (2013): Bitcom-Studie: 60 Prozent wollen von eBooks nichts wissen. Die Self-Publisher-Bibel.
http://www.selfpublisherbibel.de/bitkom-studie-fast-drei-viertel-wollen-von-ebooks-nichts-wissen


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