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Tracy & Der Soldat

Hubert Michelis: Tracy & Der SoldatAutor: Hubert Michelis
Format: Taschenbuch; 13,4 x 21,5cm
Seitenanzahl: 374 Seiten
Verlag: Verlag Mainz
Auflage: 1 (Dezember 2015)
Sprache: Deutsch
ISBN: 978-3810702432
Altersempfehlung: Ab 14 Jahre, Erwachsene

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Klappentext:

Bei Tracy & Der Soldat handelt es sich um zwei voneinander unabhängige Novellen, die in einem Buch zusammengefasst wurden. Da sie inhaltlich nicht zusammenhängend sind, stehen sie auch in ihrer Form einander gegenüber - und damit Kopf! Zwei packende Geschichten in einem innovativen Layout!

Tracy Wandlung eines Chinamissionars

Diese Novelle erzählt die Geschichte des jungen Priesters Paul, der als Missionar nach China entsendet wird. Von seinem Glauben und hohen Idealen beseelt drängt es ihn zu den Obdachlosen und Ausgestoßenen dieser Gesellschaft, um ihnen in christlicher Nächstenliebe zu helfen.

Doch nicht überall stößt seine Hilfsbereitschaft auf die offenen Arme, die er erwartet hat, sondern manchmal sogar auf unüberwindliche Schwierigkeiten und unerwartete Hindernisse. In seinem missionarischen Eifer enttäuscht und kurz davor, aufzugeben, begegnet Paul eines Tages am Bahnhof von Kaohsiung einer jungen Frau, die ihn nach seinem Weg fragt.

Er weiß weder was sie von ihm will, noch wer sie eigentlich ist; dennoch wird diese flüchtige Begegnung zu einem Wendepunkt in seinem Leben und stellt dieses auf den Kopf. Fortan ist der junge Priester hin- und hergerissen zwischen seiner Liebe zu diesem chinesischen Mädchen, die sich »Tracy« nennt, und seinem Gelübde, das er abgelegt hat, und das Versprechen beinhaltet, sein Leben Gott allein zu widmen. Bald wird ihm jedoch bewusst, dass er in seinem Dilemma eine radikale Entscheidung treffen muss ...

Der Soldat oder Über einen Feldwebel, der sich weigerte, Juden zu ermorden

Franz Michalski wurde in eine unglückselige Zeit hineingeboren und muss als Jahrgang 1896 sowohl die Schrecken des Ersten als auch des Zweiten Weltkriegs hautnah miterleben. Der deutscher Unteroffizier mit jüdischen Wurzeln stellt auf dem Feld der Ehre seine Vaterlandsliebe unter Beweis und auch als er in der Schlacht vor Verdun durch Giftgas zeitweise sein Augenlicht verliert, kämpft er obrigkeitstreu weiter für seine Heimat.

Doch als er die Hinrichtung einer Gruppe von Juden veranlassen soll, die Zuflucht in einer Synagoge gesucht hatte, verweigert Franz den Befehl und bringt damit sein eigenes Leben in Gefahr.

In Hubert Michelis Novelle wird der Leser zum ständigen Begleiter eines Mannes im Kampf zwischen Patriotismus und Moral und erlebt an dessen Seite hautnah das Schicksal unseres Landes mit. Durch die Schilderung der Flucht seiner Familie aus Ostpreußen gewinnt diese authentische Geschichte zusätzlich an Brisanz.

Über den Autor Hubert Michelis:

Hubert Michelis (Autor)Hubert Michelis wurde 1958 im rheinischen Düren als Sohn eines Bergbauingenieurs geboren. Nach dem Abitur studierte er Philosophie und Katholische Theologie in Bonn und wurde Mitglied des Franziskanerordens.

Mitarbeit in Indien bei Mutter Theresa. Von Ende 85-87 als Missionar in China (Hongkong und Taiwan). Nach dem Kennenlernen seiner späteren Frau Verlassen des Klosters und seit 1988 berufliche Neuorientierung. Hubert Michelis ist seit 1989 verheiratet und hat drei Kinder.

Seit 1990 lebt der ehemalige Priester bei Frankfurt am Main, wo er über zwanzig Jahre als Bankangestellter bei zwei asiatischen Banken tätigt war. Heute ist Michelis Freiberufler und widmet sich ganz der Schriftstellerei und Landschaftsmalerei.

Rezension zum Buch "Tracy & Der Soldat":

Es sind zwei erstklassige, spannende Novellen in einem Buch.

In beiden Novellen, so verschieden sie sein mögen, sehen sich die Protagonisten vor Entscheidungen gestellt, vor grundlegende, existenzielle Entscheidungen. Zum einen in "Tracy": Ein zum Priester geweihter Mönch, der sich als Missionar in China in eine junge Chinesin verliebt, und damit in ein Dilemma gerät ...

Dort, in "Der Soldat" ein deutscher Unteroffizier, der sich während des letzten Krieges weigert, Juden zu ermorden. Sein Eintreten für die Juden hat allerdings Konsequenzen ...

Beide Gestalten geraten in Situationen, die ihr Leben jeweils herausfordern und völlig verändern werden. Beide Geschichten sind darüber hinaus authentisch und in einen historischen Kontext eingebunden.

Sie spiegeln das jeweilige Kolorit wider, das Leben eines ausländischen Missionars in China, aber auch den Zweiten Weltkrieg, dessen Zeitzeuge man wird. Der Leser mag beide Novellen sowohl in belletristischer Hinsicht als auch als historische Zeitdokumente, als an China oder dem 2. Weltkrieg Interessierter lesen und er dürfte es nicht bereuen.

Quelle: Rezension von Steffen Tischler bei Amazon >>>

Hubert Michelis über seine Erzählung "Der Soldat":

Zum deutschen Patriotismus-Komplex und zur Kraft eines wertorientierten, freien Gewissens:

Entgegen der landläufigen Meinung bin ich fest davon überzeugt, dass zu allen Zeiten die Gedanken frei waren und der Mensch die Möglichkeit hatte und immer noch hat, das zu tun, was ihm vorschwebt und seiner innersten Überzeugung entspricht. Selbst während des Tausendjährigen Reichs war das möglich; der Feldwebel Franz Michalski, - wie der Protagonist der Novelle "Der Soldat" heißt -. stellt es unter Beweis.

Franz Michalski wurde 1886 geboren und musste nach dem Ersten Weltkrieg unter den Nationalsozialisten erneut ins Feld ziehen. Als man ihn 1939 einzog, war er bereits 43 Jahre alt. Als einfacher Elektriker, der sich später, bis zum Kriegsausbruch, in Duisburg als 'Rohproduktenhändler' (Schrotthändler) selbständig gemacht hatte, war er Feldwebel, kein hohes 'Tier'.

Schon zu Beginn des Krieges hatte er, was die Juden betraf, in Holland und Frankreich manche Beobachtungen gemacht, die ihm nicht nur missfielen, sondern in eine innere Unruhe versetzten. Seine einstige Sicherheit schien seitdem gestört, denn er begann sich zu fragen, was die Nazis wirklich im Schilde führten.

Nachdem seine Einheit dann von Frankreich an die Ostfront verlegt wurde, beginnt er nach und nach immer mehr von dem teuflischen Befehl zu ahnen den der Kommandeur der Einheit, der er angehört, mit sich führt. Schließlich wird ihm klar, dass ihre Einheit in der Ukraine bei ethnischen "Säuberungen" eingesetzt werden soll, so dass er für sich und sein Leben eine Grundsatzentscheidung treffen zu müssen glaubt, was er auch tut. Die Ereignisse spitzen sich bald schon derart zu seinen Ungunsten zu, dass er schließlich gezwungen wird, den Befehl zu geben, Juden zu ermorden.

Franz Michalski führt diesen Befehl nicht aus, ja er verweigert ihn. Dass er trotz seiner Befehlsverweigerung nicht exekutiert, sondern zu einem "Himmelfahrtskommando" bei der 6. Armee strafversetzt wird, die Marsch auf Stalingrad nimmt, scheint wie ein Wunder.

Ohne noch mehr vorwegzunehmen: Ab hier ist die Geschichte fiktiv, denn weiter lässt sich die Spur des Franz Michalski (alias Franz Michelis) nicht mehr verfolgen ...

Ich bin jedenfalls stolz, der Enkel dieses unbeugsamen und aufrichtigen Mannes zu sein, der zwar ein völlig unbedeutender, in meinen Augen jedoch großer Mann war. Mit dieser Novelle, die in Stalingrad noch längst nicht ihr Ende finden wird, wollte ich ihm ein Denkmal setzen. Parallel zu seiner Flucht aus Stalingrad verläuft dann die Flucht seiner Familie, die vor den vorrückenden Russen aus dem sicher geglaubten Ostpreußen gen Westen fliehen müssen.

Quelle: Hubert Michelis auf Facebook >>>

Unsere Empfehlung:

Mit seinem Werk "Tracy & Der Soldat" hat der vielseitige Autor Hubert Michelis zwei Protagonisten geschaffen, die vor schweren Entscheidungen stehen, die zwangsläufig ihr Leben verändern werden. Ein Priester verstößt gegen das Zölibat und ein Soldat der deutschen Wehrmacht verweigert einen Befehl.

Beide Charaktere haben autobiografische Elemente. In dem Priester erkennt man den Autor wieder, der sich als überzeugter und engagierter Mönch letztendlich für das Leben mit einer geliebten Frau entscheidet und eine Familie gründet.

Der Soldat ist Hubert Michaelis Großvater, den der Autor bewundert, weil er unter lebensgefährlichen Umständen nach seinem Gewissen handelt und dafür die wahrscheinliche Exekution als Befehlsverweigerer in Kauf nimmt. Beide Persönlichkeiten widersetzen sich aus innerster Überzeugung Institutionen und müssen schwerwiegende Konsequenzen tragen.

Bei dem Soldaten Franz Michalski kommt noch heldenhaftes Verhalten hinzu. Natürlich kann man nicht von jedem Menschen verlangen, dass sie/er in einer derartigen Bedrohungslage ein solches Maß an Mut und Zivilcourage aufbringt. Bewunderung sollte aber in erster Linie jenen gelten, die sich einer verbrecherischen Ideologie und ihrer Vernichtungsmaschinerie unter Einsatz ihres Lebens und unter Inkaufnahme zusätzlicher Gefahren widersetzt haben.

Die beiden Handlungen sind in ein sorgfältig recherchiertes zeitgeschichtliches Setting eingebettet, weshalb sich das Buch auch sehr gut für die Verwendung im Rahmen des Geschichteunterrichts und als Basis für Unterrichtsprojekte an Schulen eignet.

 

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